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Verkehr im Kreis oder die Liebe des Deutschen zu Gartenzwergen

Es geht um Liebe und Verkehr. Selten konnte ich solche Begriffe schon in einer Überschrift vereinen. Aber ich will gleich zum Höhepunkt kommen, dem Rant: Ich könnte jedes Mal fuchsteufelswild werden, wenn ich wieder einen CDU Ortsvorsteher eine tollere Dekoration in einem Kreisel fordern höre. Nun ist PKW-Verkehr nicht mein politisches Steckenpferd und auch keine Geliebte, aber ich versuch mich mal zu erklären.

Es ist ein deutsches Leiden, dass man Kreisverkehre möglichst reich dekorieren und bebauen will oder sogar große Hügel aufschüttet.
Der Kreisverkehr ist aber gerade deswegen ein Segen für die Verkehrssicherheit, weil er den Verkehrsfluss verbessert und in alle Richtungen beste Einsicht gewährleistet.

Von: Bene16 – Kreisverkehr (Aitrach) CC-BY-SA 3.0 unported

Große Skulpturen, die den Blick einfangen und Bepflanzungen oder Hügel, die Sichtachsen stören, machen einen großen Teil des Sicherheitsgewinns wieder zunichte und führen zu Standzeiten. Ein Negativbeispiel sieht man hier.

In anderen Ländern sind Kreisverkehre schon lange viel verbreiteter und sobald die Einsicht der hiesigen Verkehrsplaner kam, musste der Deutsche ohne Rücksicht auf Verluste den größtmöglichen Gartenzwerg hinein setzen. Natürlich denkt man bei Kreisverkehren gern an die exotischen Kreisel in Frankreich, Italien oder England und will sich ein kleines Stückchen davon abschneiden. Diese Bilder im Kopf haben aber eines gemeinsam: Es sind meist sehr große Kreisverkehre wo schon die Sichtachse zur letzten Einfahrt lang genug ist. Wenn die Kreisel in diesen Ländern schrumpfen und weniger stark befahren sind, schrumpft auch ihre Bebauung und Bepflanzung und immer wird auch die Sichtachse zu allen Einfahrten frei gehalten. Natürlich könnte man jetzt argumentieren: Wenn die Sichtachse gestört ist, bleibt man im Zweifel halt stehen, aber dann erkauft man sich Sicherheit mit hohem Energieverbrauch und Schadstoffausstoß beim Anfahren. Und das alles nur, weil da eine Boje oder die preisgekrönten Koniferen des Ortsvorstehers stehen …

Bürgerticket, Fahrscheinfrei, was denn nu?

Heute war ich zu einer offenen Fraktionssitzung der Grünen geladen. Thema war der Öffentliche Nahverkehr und wie wir ihn mit Hilfe von Abgaben oder Steuerfinanzierung aus der Krise helfen und ihn auch wieder zu einem effektiven Werkzeug der Verkehrswende umgestalten können. Im Ausschusssaal nahm die fast vollzählige Fraktion der Grünen im Stadtrat, ca. 20 Gäste, Stefan Tschök als Pressesprecher der CVAG, Dr. Neuhaus vom VMS und Prof. Dr. Monheim platz. Stefan Kühn war als Vertreter aus dem Bundestag auch zugegen und auch mein Fraktionsvorsitzender schaufelte sich etwas Zeit frei, bevor er seine letzte Bahn erwischen musste 😉

Der Vortrag von Prof. Dr. Monheim war spannend, bissig und umfassend, die Diskussion war lebendig, und hat in Kombination wohl alle Argumente für einen fahrscheinlosen ÖPNV auf den Tisch gebracht. Ein paar neue Finanzierungsideen, wie ein Solidar-Euro für jene, die nicht mit einzahlen könnten, Wohnen-Plus als Modell eines Mieterpaketes oder Kombibusse für den ländlichen Raum, die damit auch Aufgaben aus der Logistik übernehmen, hatte auch ich noch nicht mit auf der Liste.

Und obwohl sich die Grünen ein paar Seitenhiebe einfangen mussten, z.B. was ihre Verkehrspolitik und den Zustand in Baden-Württemberg mit Ministerpräsidenten Kretschmann angeht oder dass sie sich erst als Dritte so langsam an das Thema heran tasten, blieben sie faire und gute Gastgeber. Im Gegenzug gab es dafür Lob für die Piraten und ihr Erreichtes in dieser Diskussion und wir konnten dann gefühlt auch gemeinsam Druck gegenüber den Verantwortungsträgern der Verkehrsbetriebe aufbauen. Mit Spannung erwarte ich die Presseberichterstattung.

Weitere Informationen zum Thema fahrscheinloser Nahverkehr findet ihr auf fahrscheinfrei.de.