CC0

Bildung – ein Rant mit philosophischem Ende.

Das ist ein Thema worüber ich eine gute Stunde lang hindurch ranten könnte. Heute las ich einen Artikel darüber, wie veraltet Beamer schon wieder sind und wunderte mich darüber kein bisschen. Doch bei Anderen ist das ein heißes Thema. Jetzt sind riesige Touchscreens und interaktive Whiteboards ja der heiße Scheiß.

Warum staunen und freuen wir uns aber über solche Entwicklungen? Im Grunde vereinen diese Dinger auch nur die immer gleichen Lehrmethoden, die wir früher vielleicht mit Polylux(Overheadprojektor), Fernseher und Kreidetafel gesehen haben. Die gleiche Unterrichtungsart wie im 19. Jahrhundert prägt unsere Schulen. Ein nettes Gimmik, wie die sehr teure digitale Wundertafel, soll den Staub entfernen. Der Staub aber liegt ganz woanders.

Schüler sind nicht doof. Spätestens nach einem guten Schuljahr haben sie dann auch gerochen, dass da vorn noch immer die einschläfernde Stimme des Fachlehrers ihre Aufmerksamkeit haben will und dass man ja keine Stunde verpassen darf, um nicht den Anschluss zu verlieren. Die gleiche Kultur mit neuer Technik. Das bräuchte es aber eigentlich nicht.

In MOOCs(deutsch offener Massen-Online-Kurs) lehren die Tech-Größen ihren Mitarbeitern neue Fähigkeiten und veranstalten Universitäten gewaltige Kurse, um ihr Wissen besser zu verteilen. Man bekommt ein Video, interagiert, wird getestet und nach ein paar Stunden kann man neue und nützliche Fähigkeiten sein Eigen nennen. Lehre wandert vom aktuell großen Bildschirm zum eigenen Gerät und in die eigene Privatsphäre.

Aber auch das ist wieder Denken aus einem bestimmten Winkel heraus. Die Frage ist hier: Wie bekomme ich meine Schäfchen schnellstens, effektiv und komfortabel qualifiziert. Aber was wollen wir von der Bildung im digitalen Wandel und in einer Welt, in der Computer unser Denken sehr bald schon überflügeln? Wo andere Fähigkeiten vom Menschen erwartet werden als Wissen anzuwenden und sich wiederholende Tätigkeiten bis zur Verrentung durchzuführen.

Bildung ist ein Selbstzweck.

Das unterstreiche ich gerne. Zu meiner Schulzeit wurde man noch darauf getrimmt wie man den bestmöglichen Schulabschluss bekommen müsse um ja mal eine gute Arbeit zu finden und im Leben erfolgreich zu sein. Aber Wissen und Bildung sind von sich aus ja schon Fähigkeiten, die jedes Leben ungemein bereichern können. Bildung führt dazu, dass wir neue Wege finden, bisherige Grenzen überschreiten und die Menschheit als Ganzes bereichern und voran bringen. Ab einem gewissen Punkt werden wir dazu auch alte Schranken niederreißen und das Konzept neu denken müssen. Mehr freie Entfaltung erlauben und an einer inklusiveren Gesellschaft arbeiten müssen, welche Andersartigkeit zelebriert und nicht grundlegende Dienstleistungen z.B. nur bis Mittwoch-Mittag verfügbar sind oder der Weg des Schemas F gegangen werden muss, um weiter gehen zu dürfen.

Was hindert uns daran?
Bildung ist eins der dicksten, wenn nicht das dickste Brett, wenn es um die Politik geht. Der Lebensweg der Menschen muss möglichst berechenbar sein und wird immer mit dem eigenen Maß gemessen. Der Politiker ist ja keine Glaskugel sondern auch nur ein Mensch, der alles unter einen Hut bringen will. Jeder, der jetzt in einer Position ist, an dieser Baustelle zu rütteln, hat ein gewisses System durchlaufen, dass ihn ja weit gebracht hat. Warum sollte man also an den Grundpfeilern sägen?

Ich kann nur sagen, ich war froh, als ich mein letztes Zeugnis aus der Allgemeinbildung in den Händen hielt und z.B. die gute Bewertung in Mathe darauf sah. Ohne schriftlich dividieren zu können hatte ich dieses System besiegt. Aber ist dieser Kampf wirklich nötig?

Der Macbookarbeitsplatz und die Generation Y: Eine Skizze

Achtung! Was folgt ist mehr als Kunst und lose Gedanken zu verstehen.


 

Es ist doch eigentlich ganz einfach!
Wir wollen keine festen Arbeitszeiten von 9 bis 17Uhr, aber planbare Freizeit.
Wir wollen Zuhause und Berufsleben klar trennen können, aber nicht in die ‚Firma‘ fahren.
Wir wollen viele nette Kollegen mit denen wir kooperieren, aber keine Blicke über die Schulter.
Wir wollen unseren Arbeitsplatz gestalten, mieten uns aber in Coworkingspaces ein.
Wir sind immer online, aber ungern für irgendeinen Chef erreichbar.

Und wenn man all Dies schafft, ist man vermutlich prekärer Selbstausbeuter in der Kreativbranche, der von einem Rentenanspruch nur träumen kann, hat das hippe eierlegende Wollmilchsau-Startup gefunden oder hat eine gute Quelle für Ritalin.

Natürlich treffen diese Wünsche nicht auf alle Mitglieder meiner Generation zu, aber es skizziert einen glamourösen Lebensstil zwischen MacBook, unbehandeltem Holz, ausgefallenen Koffeingetränken und guter Laune. Aber es wird glaube ich klar, was da vor sich geht. Vieles davon ist von einem instinktiven Abwenden von einer gefühlt überholten Arbeitswelt geprägt. Von einem Drang, einer uniformen Leistungsgesellschaft mit falschen Prioritäten zu entkommen. Und viel zu oft endet das in Burnouts, Depressionen oder anderen Verhaltensauffälligkeiten.

Internet in Chemnitz – Happy End?

Tia, da wären wir wieder. Wir reden wieder darüber, wie sehr meine Stadt vom Internet abgeschnitten ist und bleibt. Das ist aber kein willkürlich gewählter Zeitpunkt.

Zum Ende dieses Jahres hört die ‚eins energie‘ damit auf, die Glasfaser in Chemnitz zu verlegen und lehnt sich entspannt zurück. Ihr Werk, 60.000 Haushalte damit auszustatten, ist dann verrichtet. In Chemnitz gibt es aber mehr als doppelt so viele bewohnte Haushalte.

Aber werfen wir mal einen Blick auf die Karte der ‚eins energie‘. eins-energie-karteIn Röhrsdorf, Borna, Furth, Hilbersdorf, Ebersdorf, Rottluff, Rabenstein, Schönau, Siegmar, Reichenbrand, Grüna, Mittelbach, Stelzendorf, Teilen von Morgenleite, Altchemnitz, Reichenhain, Erfenschlag, Adelsberg, Kleinolbersdorf-Altenhain, Glösa und Euba wurde keine Faser verlegt. Man könnte sagen etwas weniger als ein Drittel des geografischen Stadtgebietes wurde mit der zukunftsfähigen Faser bedacht. Natürlich gucken deswegen noch nicht alle anderen in die Röhre, aber Röhre ist dabei wieder ein gutes Stichwort. Alternativ bieten sich in einigen der Stadtteile zumindest die Kabelnetzbetreiber an. Leider machen diese trotz großspuriger Ansagen zum Ende von 2015 aber noch keine viel bessere Figur als vorher. In einigen Stadtteilen hat es sich gebessert, in anderen fällt das Netz noch immer sehr häufig aus oder bricht von der Geschwindigkeit auf ein Niveau ein, welches z.B. Streamen über Netflix unmöglich macht.

Aber da gab es doch noch diese Ziele der Bundesregierung!

Ja, was ist eigentlich damit? Die Landesregierung wirbt mit beschönigten Grafiken, in denen auch für die Grundversorgung wenig geeignete UMTS und LTE-Anschlüsse und öffentliche WLAN-Anschlüsse, wie z.B. die Freifunk-Knoten, mit inbegriffen sind. Diese liefern aber im Schnitt natürlich nicht annährend die angepeilten 50 Megabit und sind auch nicht dafür da, die Grundversorgung mit Internet zu übernehmen. Wenn da also nicht bald noch etwas passiert, werden diese Ziele weit verfehlt, selbst in unserem schnuckeligen und wirtschaftlich durchaus interessanten Ballungsraum. Chemnitz ist nach aktueller Statistik etwa zu 72% mit Internet um die 50 Megabit versorgt. Das Zahlen aber nicht Alles sind, hab ich ja oben bereits angedeutet.

Aber wir haben doch noch die Telekom! Die haben bestimmt einen Plan.

telekom-karteKlar haben sie einen Plan. Der Plan nennt sich VDSL-Vectoring. Nachdem es ja nun ein wackeliges ‚Go‘ von der EU und der Bundesnetzagentur gab, hat die Telekom ein paar neue Ausbaugebiete für Chemnitz angekündigt. Diese sind auf der Grafik blau markiert und hier noch einmal genauer zu betrachten. Das dunkle Lila ist übrigens die Glasfaser. Sieht nicht ganz so schick aus wie bei der ‚eins energie‘, oder?

Diese blauen Bereiche bedeuten, dass die dort bestehende DSL-Infrastruktur, die bisher eher so 2 bis 16 Megabit liefert, mit ein paar neuen Verteilerkästen oder Umbauten in den Kästen auf bis zu 100 Megabit aufgebohrt wird. Dummerweise handelt es sich dabei auf den letzten 100 Metern aber um die im Schnitt 0,6mm dünne Kupfer-Doppelader, aus der sich perspektivisch nicht mehr viel heraus pressen lässt. Für schnelle Zielerreichung ist das nett, mit zukunftstauglicher Technologie hat das aber nicht viel zu tun. Billig und schnell war hier die Devise. Da fühlen sich dann einige Leute spätestens 2025 wieder abgehängt. Dazu teilen sich dort viele Kunden ein Kabel und sind nur virtuell von den anderen Anschlüssen entkoppelt.

Die Kooperation mit der ‚eins energie‘ für den Glasfaserausbau wird man wohl auch nicht verlängern wollen, da diese den Glasfaseranschluss perspektivisch nun selbst vermarkten wollen. In Bad Elster kann man das sogar schon bestellen. Die Upload-Geschwindigkeiten sind dort allerdings eher dürftig.

Was bleibt noch zu sagen? Es bleibt spannend. Und wer billig Infrastruktur baut, baut zwei Mal.

CC-BY 3.0 Bigg(g)er

Chemnitz 2030 – Eine Utopie oder ein normaler Shopping-Ausflug?

Es ist Samstag Mittag. Ich benötige eine neue Stehlampe, am besten mit Ladefunktion für meine Kleinstgeräte. Die Onlinesuche zeigt mir 3 passende Leuchten an, eine davon ist in meiner IKEA-Boutique verfügbar.
Auf meiner Smartwatch tippe ich auf den Knopf, der aussieht wie eine Autosilhouette. Es kommt eine Meldung zurück: „Ein Fahrzeug kann in 10 Minuten an ihrer Zuhause-Parkposition stehen. Welches Ziel haben Sie?“
Ich sage ich will ins Stadtzentrum. Ein freundliches grünes Häkchen erscheint und ein Timer von 9 Minuten und 40 Sekunden startet.
Ich mache mich in Ruhe fertig und gehe nach unten. Das Fahrzeug steht da. Ich halte den Arm mit der Smartwatch kurz an die Tür des Fahrzeuges. Sie öffnet sich.
Ich steige ein und bemerke die Gesellschaft. Es gibt keine eindeutige Fahrerposition mehr und neben mir sitzt eine Person mit dem gleichen Ziel. Der Sitzabstand ist großzügig und respektiert die Privatsphäre. Das Fahrgefühl ist deutlich angenehmer als in Bussen und auch nicht so privat wie im eigenen Fahrzeug. Ich nutze diesen Service seit 2 Jahren. Ich bin Abonnent dieses monatlich kündbaren Carsharing-Service und habe mich wegen der einfachen Bedienung der App und der günstigen Flatrate von nur 30€ dafür entschieden. Als innerstädtischer Nutzer sind meine Fahrtwege nicht übermäßig lang, deshalb ist das Angebot hier deutlich günstiger als im Erzgebirge mit 50€.
Der Straßenraum hat sich im letzten Jahr stark verändert. Es gibt nirgendwo mehr Poller, riesige Verkehrsschilder oder Ampelanlagen mehr. Die intelligente Vernetzung der Fahrzeuge und Bodenampeln für die Fußgänger haben die Verschandelung der Umwelt mit Vekehrsleitfunktion vollkommen abgelöst. Trotzdem gibt es quasi keine Verkehrsunfälle mehr. Auch Falschparken findet nicht mehr statt. Dafür mussten allerdings alle Fahrzeuge vor 2 Jahren mindestens mit Heads-Up-Displays und autonomen Bremsen nachgerüstet werden, wie es etwa zur Jahrtausendwende mit der dritten Rückleuchte der Fall war. 1000€ kostete das die Halter von Fahrzeugen, die ihr Vehikel vor 2019 erworben haben. Viele waren davon nicht betroffen, das Privatauto ist kein beliebtes Modell mehr gewesen.
Die Straßen wurden schon in den 2020ern Schrittweise verengt und mehr begrünt. Es gab schnell mehr Aufenthaltsräume und sogar neue Baugrundstücke in der Innenstadt. Historisch gewachsene Straßenzüge sind kaum mehr aus zu machen. Das Fahrzeug hält am Stoppoint der ehemaligen Zentralhaltestelle und meine Zufallsbegleitung und Ich steigen aus. Wir kannten uns schon von mehreren gemeinsamen Fahrten und verabschieden uns freundlich. Ich hab Sie mit 4 von 5 Punkten in der Sharing-App bewertet. Mit 5 Punkten würde meine Fahrt für eine tolle Begleitung leicht verzögert werden, mit weniger als 3 Punkten ebenfalls, um eine andere Begleitung oder ein freies Fahrzeug zu finden. Mit Menschen mit nur einem Punkt muss ich gar nicht das Fahrzeug teilen. Auf dieser Liste steht momentan nur mein Zahnarzt.
Ich spaziere entspannt in Richtung der Boutique. Die Uhr fragt mich, wann ich gedenke zurück zu fahren. Ich sage ihr, dass es etwa eine Stunde dauern kann.
Das Fahrzeug fährt unterdessen in eine Tiefgarage außerhalb des Stadtringes, wo es per Induktion geladen wird und weiteren Personen zur Verfügung steht. Tankstellen und selbst Ladestationen gibt es keine mehr im öffentlichen Straßenraum. Es gibt auch nur rund 500 autonome Fahrzeuge, die das Stadtzentrum anfahren. Bei Großveranstaltungen können damit potentiell 2500 Menschen autonom und gleichzeitig in die Stadt gefahren werden. Parkhäuser wurden schon vor 5 Jahren Schritt für Schritt zurück gebaut. Dieses Jahr geht ebenso das Kohlekraftwerk in Chemnitz außer Betrieb. Was für ein Segen für das Gewissen und bei der Nutzung der vielen Technik.

In der Innenstadt gibt es so gut wie keine Läden mehr. Alle Geschäfte haben eine Event- und Ausflugs-Charakteristik, sonst können sie sich an diesem Standort nicht halten. IKEA waren unter den Ersten, die dieses Konzept adaptierten. Ich bin nun 42 Jahre alt und werde doch langsam zum Gewohnheitstier, deshalb spricht mich deren Angebot noch immer an. An der Tür treffe ich Piru und noch ein paar andere Freunde, die meinen IKEA-Ausflug über soziale Vernetzung mitbekommen haben. Verspätung ist in den letzten Jahren immer unwahrscheinlicher geworden. Wir gehen gelassen durch die Boutique auf ca. 500 Quadratmetern, das Restaurant nimmt die gleiche Fläche ein. Ich sehe die gesuchte Lampe und halte meine Uhr an den Sensor daneben. Daraufhin kann ich sie virtuell in meinem Wohnzimmer platzieren und bekomme einen noch besseren Eindruck. Nach meiner Bestätigung spricht meine Uhr wieder zu mir: „Die Ware ist im Versandzentrum Neefepark verfügbar und kann per Drone innerhalb von 30 Minuten geliefert werden.“
Ich drücke die Meldung weg und vereinbare einen Liefertermin im Vorabend, wenn ich Zuhause bin. Bezahlt ist die Ware damit bereits.
Nach dem Einkauf geht es ins Restaurant. Die Gespräche arten ein wenig aus und so kommt es, dass ich die Schlummertaste meiner Auto-App dreimal drücken muss, welches die Abfahrt jedes Mal um 10 Minuten verschiebt. Das Sozialisieren ist der wichtigste Grund für den Besuch der Innenstadt.

Als ich wieder am Stoppoint stehe kommt ein anderes Fahrzeug meines Services angefahren und sammelt mich ein. Bei mir Zuhause ging vor 10 Minuten ein Hinweis an, dass ich in ca. 20 Minuten Zuhause bin, da ich die Abfahrt dieses Mal nicht verzögert habe. Das hat schon so manches Mal die Essensplanung erleichtert. Später mache ich mit Freundin und Kindern noch einen Ausflug mit dem geteilten Fahrzeug. Die Family-Option für verschiedene Autodienste ist in der 5-Zimmer-Wohnung bereits im Mietpreis enthalten. Wir machen einen Spaziergang durch das Augustusburg von 1820, dank Augmented Reality. Am Vorabend trifft pünktlich die Drone vor meinem Fenster ein. Im Umfeld der Lampe laden alle meine Geräte wieder voll, ich benötige eine Woche keine Ladung mehr.

Ich hoffe diese Geschichte hat den Lesern gefallen. Die Tankstelle im Bild an der Ecke Annen-/Brauhausstraße ist inzwischen das kleinste Hotel der Stadt. Gestaltet die Zukunft mit und macht euch Gedanken wie beispielsweise ein sinnvoller Datenschutz in dieser Welt gewährleistet werden kann. 🙂

CC-BY-ND 3.0 AriaSnow

Pokémon GO

Die Taschenmonster erfreuen sich gerade wieder großer Beliebtheit. Kein Wunder, das Spielprinzip ist in etwa jenes, auf dass Spieler in Europa (inklusive mir) seit 16 Jahren warten. Nostalgie lässt sich im Spielesektor auch super melken, dass wissen Nintendo, Gamefreak und Niantic, die Entwickler des Spiels, natürlich auch. Solche GPS-gestützten Augmented Reality Spiele haben aber auch einige Schattenseiten. Einerseits lassen sie sich nicht ohne umfassende Positionsdaten vom Spieler auf Servern umsetzen, andererseits sind Daten- und Stromverbrauch gewaltig hoch. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf um seine geliebten Pikachus und Shiggys einsammeln und kämpfen lassen zu dürfen?

Es gibt noch eine größere Angelegenheit: GPS-gestütztes Spielen und willkürlich gesetzte Spots auf Karten, locken auch kriminelle Energie und sorgen derzeit dafür, dass viele Spieler ihre Schlafenszeit deutlich überziehen. Die Spieler laufen auf der virtuellen Karte oftmals ohne viel Aufmerksamkeit für ihre Umwelt herum. Das sorgt für Probleme: In den USA wurden schon eine Menge Raubüberfälle im Rahmen des Spiels gemeldet und eine Person stolperte schon über eine Leiche. Man kann andere Spieler gezielt anlocken und hat als Räuber zumindest den Durchschnittslohn von einem Smartphone im Wert von ca. 200€. Auch Verkehrsunfälle provoziert so ein Spiel, sodass man sich nicht ungern auch Bodenampeln wünscht. Ein befreundeter Spieler ist neben mir letztens an einen Poller gelaufen. Sah witzig aus, sollte aber ein Warnsignal sein. Was bedeutet so ein gefährliches Spiel für die Spieler und ist Niantic sich dessen bewusst?

Die Datenschutzerklärung hat es in sich! Niantic hat bei Ingress und Pokémon GO, quasi in vorauseilendem Gehorsam, folgende Regelungen eingebaut:

Wir arbeiten mit der Regierung, mit Strafverfolgungsbehörden oder privaten Beteiligten zusammen, um das Gesetz durchzusetzen und einzuhalten. Wir könnten jegliche Informationen über Sie (oder über das von Ihnen ermächtigte Kind), die sich in unserem Besitz oder Kontrollbereich befinden, an Regierungen oder Strafverfolgungsbehörden oder private Beteiligte offenlegen, wenn wir es nach unserem eigenen Ermessen für notwendig und angemessen erachten: (a) um auf Ansprüche, Gerichtsprozesse (einschließlich Vorladungen) zu reagieren; (b) um unser Eigentum, unsere Rechte und unsere Sicherheit, sowie das Eigentum, die Rechte und die Sicherheit von Dritten oder der allgemeinen Öffentlichkeit zu schützen; und (c) um jegliche Aktivität, die wir als illegal, unethisch oder rechtlich anfechtbar erachten, aufzudecken und zu stoppen.

Das klingt ziemlich böse, ist aber vermutlich die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass solche Spiele verboten werden. Wer Pokémon GO spielt, dem sei ein extra Smartphone und extra Google-Account empfohlen, denn das Spiel nimmt sich auch alle Daten aus eurem Google Konto. Der Strafermittlung steht damit trotz allem nichts im Weg. Und passt zu Hölle nochmal auf euch auf und geht Nachts nicht allein auf Pokémonjagd!

Team Weisheit, huh!

CC-BY-SA Michael Thaidigsmann

Der Häuptling der SPD hatte wieder eine zündende Idee …

Gibt es denn nur Vollpfosten in der etablierten Netzpolitik?!
Ok, das ist ein fieses Eingangsstatement, aber die neue Idee des Bundes-Siggis ist mal wieder herrlich wirtschaftshörig, wettbewerbsverzerrend und asozial zugleich. Er fordert aus dem Strategischen Investitionsfond der EU mal Alles was da ist und möchte gern den deutschen Brocken davon in die Telekom stecken. Ein Unternehmen auf dem freien Markt, welches nicht annähernd genug Regulierung erfährt, für die Exklusivrechte und noch immer Monopolposition[1], die es vielerorts inne hat. Dieses freundliche Unternehmen, welches von sich aus nicht im Traum darauf käme, irgendwo Glasfasern zu verlegen und schön die Hand auf hält, wenn einer doch mal eine zeitgemäße Anbindung wünscht.

Die aktuellen Entwicklungspläne der Telekom für das deutsche Telekommunikationsnetz sind im Vergleich ein schlechter Scherz. Aktuell setzt man auf Vectoring, was dem vermaledeiten Klingeldraht schnell noch 50mbit extra heraus quetscht, damit man die Pläne der Bundesregierung einhält, bis 2018 überall 50mbit zu bieten. Da hat scheinbar selbst unser Wirtschaftsminister gemerkt, dass man so das Problem des Ausbaus nur hinaus zögert und Geld verschwendet.
Statt aber mal zu schauen, wie das andere Ländern hin bekommen, möchte man lieber die EU fragen, ob man nicht an den fetten Topf ran darf um die nicht wettbewerbsfähige Lösung für den Netzausbau noch zu subventionieren.

Copyright © Europäische Investitionsbank 2016Copyright © Europäische Investitionsbank 2016

Wäre ich in der Position der EU, würde ich sagen: „Gern Siggi, aber vorher verstaatlicht ihr bitte noch den Netzausbau und zerschlagt dieses merkwürdige Telekom-Konstrukt.“
Dann ist er vermutlich ganz klein mit Hut und sagt nix mehr. Was auch nicht schlimm wäre, denn dann kann aus dem Topf in ganz Europa weiter kräftig in verschiedenste Baustellen investiert werden, die hier sehr gut verbildlicht sind.

Alles andere wäre massiv unfair gegenüber den vielen Ländern in der EU, welche es hinbekommen, eine anbieterneutrale Glasfaser zu verlegen. Die hätten von dem Geldregen nämlich gar nix und müssten stattdessen auf andere Investitionsprojekte verzichten.

Dann noch dieses „Man-to-the-Moon“. So visionslos ist die Politik also schon. Der Wettlauf zum Mond war eine historische Begebenheit, welche die gesamte Menschheit hat zum Himmel aufschauen lassen statt auf die Schlaglöcher vor der Haustür. Welches Forschung und Entwicklung in beinahe allen technologischen Bereichen in einem kurzen Zeitraum enorm beflügelt hat und schließlich die Menschheit einen Sprung nach vorn machen ließ. Es begeistert noch immer junge Menschen für Ingenieurswesen und Wissenschaft und förderte zugleich ein Weltbild einer geeinten Menschheit und richtungweisender internationaler Zusammenarbeit, auch wenn das vielleicht eingangs nicht die Intention der USA war.

Der Netzausbau ist emotional, für das Gros der Gesellschaft, hingegen eine überfällige Straßensanierung. Für das Vorankommen enorm wichtig, aber für sich allein stehend eher unspektakuläre Kanalbauarbeiten. Inzwischen will man nicht mehr groß in die Raumfahrt investieren, was sehr schade ist. Stattdessen ist es scheinbar im Kopfe von Wirtschaftsministern schon ein Mondflug, etwas wettbewerbsfähiger zu werden. Bitte, zerschlagt endlich den Riesen im Magentagewand, nehmt Geld in die Hand oder lebt mit der Konsequenz der rückständigen Vernetzung. Aber wälzt das Problem bitte nicht auf die Staatengemeinschaft ab. Die kann nix dafür. Und viele schlagen sich da auch deutlich besser als das reiche und mächtige Deutschland.

Ich engagiere mich weiter in der Konsultation zum Digital Single Market der EU und auch im Rahmen des Eurocities Knowledge Society Forums, um auf diese merkwürdige Regierungs- und Marktpraxis mit der Telekom aufmerksam zu machen. Was Herr Gabriel hier abzieht konterkariert nicht zuletzt laufende Bürgerbeteiligungsprozesse.

Schäm dich!

 

[1]Der Telekom gehören noch immer Schlüsselpunkte: wie Hauptverteiler, der Backbone des Telefonnetzes und sie hat jetzt erst wieder exklusive Ausbaurechte für Vectoring aus der Bundesnetzagentur gequetscht, wenn man Zusagen für Gebiete macht. Ebenso hat sie es durch bekommen, dass die von ihr verlegte Glasfaser exklusiv genutzt werden kann. Das ist ein gewaltiges technisches Monopol. Daher wünsche ich mir schon lange die Trennung von Netz und Konzern und Verstaatlichung des Ersteren. Das würde auch alle anderen Player auf diesem Markt betreffen, aber die zielgerichtete staatliche Investition in diese inzwischen zur Daseinsfürsorge gehörenden Infrastruktur sicher stellen. Nicht zuletzt sollten wir auch nicht unbegrenzt den Boden aufbaggern.

April, April.

Vielen Dank für eure Glückwünsche im Laufe des Tages. Ja, ich hatte Geburtstag und nein, ich bin jetzt nicht bei der Primacom angestellt 😀

Erst einmal möchte ich mich bei Allen entschuldigen, die bis jetzt noch nicht verstanden haben, dass der vorige Beitrag natürlich ein Aprilscherz war. Manche Sachen darin sind Satire, manche technische Einzelheiten, die vielleicht nicht jedem sofort eingeleuchtet sind. Selbst Leute, die sich damit auskennen, hab ich zuerst erfolgreich hinters Licht geführt.

Wer sich für die lange Auflösung nicht interessiert, kann jetzt getrost das Fenster schließen. Wen mein Kurzexkurs in den Internetausbau doch interessiert, dem sei Weiterlesen empfohlen.

Mir ist nur ein Ort in der Welt bekannt, in dem Arten von Konzessionsverträgen für Internetversorung geschlossen wurden. Das sind die sogenannten Fibre Cities in den USA. Dort baut Google Fibre ein enorm fortschrittliches Glasfasernetz aus und bietet damit den Orten, wo es verfügbar ist, sogar gratis Internet mit 6 Mbit/s. Wer mehr braucht, muss in den Städten dann einen höheren Obulus an Google entrichten, bekommt damit dann aber auch gleich synchrone Leitungen im Gigabit-Bereich. Ähnliches gibt es sonst auch in europäischen Staaten wie Estland. Dort existiert nämlich ein Recht auf Internetanschluss. Sehr lobenswert!
In den meisten Ländern setzt man beim Netzausbau im übrigen auf „Dark Fibre“, das Verlegen von anbieterneutraler Glasfaser, bei der die Kunden den Betreiber selbst wählen können. Chemnitz ist beim Glasfaserausbau da fest in der Knechtschaft der Telekom in Kooperation mit der ‚eins‘.

Kommen wir zu den dick gedruckten Passagen „bis zu 16 Mbit/s„. Deutsche Gerichte haben geurteilt, dass diese Angaben korrekt sind, solange ein Anschluss mit wenigstens der Hälfte gewährleistet wird. Allein die Angabe ist also schon eine gewaltige Mogelpackung. Aber mal Hand aufs Herz. Schon heute stößt man mit 16 MBit/s schnell an Grenzen. Zwei Full-HD Videosignale lasten so eine Leitung z.B. schon komplett aus. Einer Kleinfamilie mit 1-2 Kindern oder einer WG mit 3 Personen würde ich bereits jetzt mindestens 32 Mbit/s empfehlen, und da hätten sie mir noch nicht einmal gesagt, was sie eigentlich im Netz so tun.

Das Internet und seine Angebote entwickeln sich ständig weiter. Mit aufkommender Virtual Reality Technik, Ultra HD und weiteren Inhalten wird der Bedarf an Bandbreite in den nächsten Jahren nur noch weiter steigen. Die Technik muss daher deutliche Erhöhungen der Bandbreite weiterhin zulassen. Inzwischen gerät dabei auch der Upload in den Fokus, den aktuell nur Glasfaserleistungen in ähnlicher Geschwindigkeit liefern können.

92% Verfügbarkeit! – ganz tolles Ding. Umgerechnet hieße das für den Kunden, dass er einen Monat im Jahr nicht surfen kann, bzw. von seinen 25 Jahren des billigen Anschlusses, diesen nur 23 benutzen kann, höchstens!

Mit Sowas wirbt zum Glück kein Anbieter mehr. Aber bei der Primacom könnte man in einigen Teilen unserer Stadt schon ab und zu das Gefühl kriegen, solche Werte gingen dort in Ordnung. Ob die Besserung, die sie Ende letzten Jahres versprochen haben, auch eingetreten ist, muss sich erst noch zeigen. Ich hab jedenfalls bisher noch kein Lob gehört.

Das Zitat des Netzbetreiber-Vertreters am Ende ist eine Hommage an die Aussage des Primacom-Sprechers Stefan Susbauer, der die Ausfälle und Minderleistung im Netz so entschuldigte: „Der Internetbedarf ist in Chemnitz landesweit am größten.“

Nun noch ein kleiner Kommentar zu meiner Anstellung: Also ich schätze mich selbst so integer ein, dass ich mich nicht von einem Konzern zu solchem Unsinn bestechen lasse. Ich hab mit Aufnahme des Mandats sogar einen Eid abgelegt, Schaden von Chemnitz und seiner Bevölkerung abzuwenden. Daran werd ich mich auch halten. Daher: Schämt euch! 😀