Bildung – ein Rant mit philosophischem Ende.

Das ist ein Thema worüber ich eine gute Stunde lang hindurch ranten könnte. Heute las ich einen Artikel darüber, wie veraltet Beamer schon wieder sind und wunderte mich darüber kein bisschen. Doch bei Anderen ist das ein heißes Thema. Jetzt sind riesige Touchscreens und interaktive Whiteboards ja der heiße Scheiß.

Warum staunen und freuen wir uns aber über solche Entwicklungen? Im Grunde vereinen diese Dinger auch nur die immer gleichen Lehrmethoden, die wir früher vielleicht mit Polylux(Overheadprojektor), Fernseher und Kreidetafel gesehen haben. Die gleiche Unterrichtungsart wie im 19. Jahrhundert prägt unsere Schulen. Ein nettes Gimmik, wie die sehr teure digitale Wundertafel, soll den Staub entfernen. Der Staub aber liegt ganz woanders.

Schüler sind nicht doof. Spätestens nach einem guten Schuljahr haben sie dann auch gerochen, dass da vorn noch immer die einschläfernde Stimme des Fachlehrers ihre Aufmerksamkeit haben will und dass man ja keine Stunde verpassen darf, um nicht den Anschluss zu verlieren. Die gleiche Kultur mit neuer Technik. Das bräuchte es aber eigentlich nicht.

In MOOCs(deutsch offener Massen-Online-Kurs) lehren die Tech-Größen ihren Mitarbeitern neue Fähigkeiten und veranstalten Universitäten gewaltige Kurse, um ihr Wissen besser zu verteilen. Man bekommt ein Video, interagiert, wird getestet und nach ein paar Stunden kann man neue und nützliche Fähigkeiten sein Eigen nennen. Lehre wandert vom aktuell großen Bildschirm zum eigenen Gerät und in die eigene Privatsphäre.

Aber auch das ist wieder Denken aus einem bestimmten Winkel heraus. Die Frage ist hier: Wie bekomme ich meine Schäfchen schnellstens, effektiv und komfortabel qualifiziert. Aber was wollen wir von der Bildung im digitalen Wandel und in einer Welt, in der Computer unser Denken sehr bald schon überflügeln? Wo andere Fähigkeiten vom Menschen erwartet werden als Wissen anzuwenden und sich wiederholende Tätigkeiten bis zur Verrentung durchzuführen.

Bildung ist ein Selbstzweck.

Das unterstreiche ich gerne. Zu meiner Schulzeit wurde man noch darauf getrimmt wie man den bestmöglichen Schulabschluss bekommen müsse um ja mal eine gute Arbeit zu finden und im Leben erfolgreich zu sein. Aber Wissen und Bildung sind von sich aus ja schon Fähigkeiten, die jedes Leben ungemein bereichern können. Bildung führt dazu, dass wir neue Wege finden, bisherige Grenzen überschreiten und die Menschheit als Ganzes bereichern und voran bringen. Ab einem gewissen Punkt werden wir dazu auch alte Schranken niederreißen und das Konzept neu denken müssen. Mehr freie Entfaltung erlauben und an einer inklusiveren Gesellschaft arbeiten müssen, welche Andersartigkeit zelebriert und nicht grundlegende Dienstleistungen z.B. nur bis Mittwoch-Mittag verfügbar sind oder der Weg des Schemas F gegangen werden muss, um weiter gehen zu dürfen.

Was hindert uns daran?
Bildung ist eins der dicksten, wenn nicht das dickste Brett, wenn es um die Politik geht. Der Lebensweg der Menschen muss möglichst berechenbar sein und wird immer mit dem eigenen Maß gemessen. Der Politiker ist ja keine Glaskugel sondern auch nur ein Mensch, der alles unter einen Hut bringen will. Jeder, der jetzt in einer Position ist, an dieser Baustelle zu rütteln, hat ein gewisses System durchlaufen, dass ihn ja weit gebracht hat. Warum sollte man also an den Grundpfeilern sägen?

Ich kann nur sagen, ich war froh, als ich mein letztes Zeugnis aus der Allgemeinbildung in den Händen hielt und z.B. die gute Bewertung in Mathe darauf sah. Ohne schriftlich dividieren zu können hatte ich dieses System besiegt. Aber ist dieser Kampf wirklich nötig?

Der Zwiespalt der Piraten

Kaum treten mal wieder ein paar schillernde Charaktere aus, wird das Ende der Partei, ein Wandel oder aber auch ein nötiger Kurswechsel in Blogs und Foren breit getreten. Ehrlich, es könnte mir nichts mehr im Bezug auf meine Parteiarbeit am Arsch vorbei gehen als ein austretender Stephan Urbach. Es ist nicht so, das sein Wirken, Tun und sein Wesen an mir vorüber gegangen sind, aber es hat meine Arbeit und meine Filterbubble(frei übersetzt „Soziale Netzwerksphäre in der man sich aufhält“) nie so beeinflusst. Im folgenden Text wird Piraten und Piratenpartei wissentlich unterschieden.

Die Piraten sind im Zwiespalt, sind sie immer gewesen. Da w#ren die Aktivisten und da waren die politisch denkenden Menschen*. Problem ist nicht eine der beiden Gruppen, sondern ihr zusammenwirken des andauernden Widerspruchs, das sich nicht zu lösen scheint. Aus Diesem folgt der ewige Kampf und Streit, den man mit uns Piraten verbindet. Diesen Kampf beenden zu wollen ist eine Utopie.

Die Piraten sind ohne die wilden und Macht-ablehnenden Aktionisten nichts und die Piratenpartei ist nichts ohne die politisch denkenden Menschen, die der Partei auch etwas Macht geben wollen. Genau dieser Zwiespalt hat mich auch teilweise in die Partei getrieben, denn es war eine Phase der Verschwörungstheorien, der Ablehnung von „Denen da Oben“ und der Verzweiflung mit Politik, die mich zu dem Schritt brachte. Zusätzlich war man jünger, naiver und leichter zu beeinflussen.

Dieser große Zwiespalt der in Einzelpersonen tobt, wie auch in der Partei, ist ein Antrieb. Er treibt die Vorstände und unsere Strukturen an. Die Vorstände sind, gerade im Amt, direkt in der Mitte eine Minenfeldes angelangt und haben daher die Aufgabe, dort lebendig wieder heraus zu finden. Diese Struktur an sich ist schon für einige ein Übel, sie aus zu füllen stellt daher höchste Ansprüche an die Person. Die Personen, die sich wählen lassen, haben aber auch den hohen Anspruch und wissen um des wachsamen Blickes der Basis über ihrer Schulter. Sie können nicht einfach „Machen!“. Das verbrennt die Menschen bedeutend schneller, zeigt aber, das wir unsere Politik leben. Eine Politik mit liquiden Strukturen ohne institutionell unumstößliche Pfeiler und mit höchster Transparenz und Beteiligung. Das ist aber nicht nur eine konsequente Haltung, sondern es verschafft auch ein Zugehörigkeitsgefühl bei diesen ambivalenten Persönlichkeiten und diesen Charme und das Gefühl der Veränderung bei vielen Wählern.

Ein weiterer Zwiespalt ist die Postwachstumsmentalität. Denn diese eben gewählten Vorstände sollen ja auch mehr bewegen als die Letzten, obwohl in der Parteipolitik nur alles effizienter, verträglicher und ökologischer werden soll. Der typische technokratische Ansatz einer Zukunftsvision lastet also auch auf einigen Schultern. Das aber nur mal als Einwurf über den sich sicher streiten lässt. Sicher beeinflusst das den ideologischen Kompass einiger Personen.

Wir waren beim großen Zwiespalt. Die Piraten sind nur erfolgreich wenn sie wilde Aktionen, ein Aufbruchklima und Wechselstimmung hervorrufen. Die Piratenpartei ist nur erfolgreich wenn sie politisch korrekt ist, nur mit positiven Nachrichten glänzt und gute Inhalte transportiert. Die Piratenpartei sind die Piraten. Ohne Piraten, keine Partei. Ohne Partei, keine Piraten … oder doch?
Natürlich gibt es ohne die Partei die Piraten. Die Partei ist das Machtelement, die Piraten die Lobby der Piratenpartei. Ohne diese Lobby läuft nichts in der Partei. Wie diese Lobby den Kurs lenkt, schafft diese Diskrepanzen und Streitprobleme. Diese Lobby ist unser Lebenselixir und der böse Blick auf den Schultern der gewählten Vertreter und Organe. Nur wenn diese Lobby aktiv ein Teil bleibt und wir uns nicht alle verändern und auf einmal politisch und brav werden, bleibt das Projekt Piratenpartei aktiv und erfolgreich. Wer das spalten und ändern will sucht hier nur den Weg den geringsten Widerstandes und schnellsten Erfolges. Das wird auf diese Art aber nicht eintreten. Deal with it.

Ich liebe euch alle. Bleibt wie ihr seid, bleibt da, ob als Mitglieder oder nicht, und treibt uns zu Höchstleistungen. Wir brauchen das, ehrlich! Lasst uns in weitere Parlamente einziehen und da ordentlich Ärger machen.

LG Toni

  • Pirat und Piratenparteimitglied seit 2009
  • 3 Jahre in Vorstandsämtern
  • Vermutlich ambivalent veranlagt

* politisch denkende Menschen /= machtpolitisch egoistische Menschen.