Schlagwort-Archiv Netzpolitik

Die Geschichte des Breitbandausbaus ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Was waren die Schlagzeilen groß. Landauf und Landab wurden endlich die Förderbescheide für den Breitbandausbau bewilligt. Auch Chemnitz sollte 40 Millionen Euro für den Netzausbau kriegen. Sofort eilten die Politiker der großen Koalition und der Koalitionen auf Landesebene bildlich gesprochen aufs Podest um sich neben imaginäre Checks zu stellen.
Nun werde ich bei allem erst einmal skeptisch, was die da oben mit den Kabeln in der Erde vor haben. Diese Kompetenzlücke klafft so groß, dass sie sogar einer FDP aufgefallen ist, deren Expertise zumindest in Zweifel gezogen werden kann. Aber zu viel wurde bisher schon verschenkt und verkackt. Also hab ich nachgefragt.

Im ersten Moment scheint die Antwort wenig aufschlussreich. Aber was heißt es denn genau?

Der Bund und das Land bezahlen voraussichtlich die von der Stadt Chemnitz beantragte, passive Glasfaser bis ans Gebäude. Diese Verlegung der reinen Faser ohne Anschluss oder Betriebstechnik lässt offen, welche Internetanschlüsse und Betreiber dieses Netz dann zu bieten hat. Diese FTTB (Fibre to the Building) Grundstruktur lässt nämlich erneut auch die VDSL-Technik zu, welche deutlich geringere Bandbreiten verspricht als ein reiner Glasfaseranschluss. Das ist die Technik, mit der die Telekom die Kosten zu drücken versucht um die sehr kurz gegriffenen Ziele der Bundesregierung von 50Mbit/s bis 2018 zu erfüllen.
Damit verbaut man leider auch die FTTH (Fibre to the Home) Option, bei welcher die eigene Wohnung bis zum Hauptverteiler durchgängig mit Glasfaser bedient wird. Diese Technik lässt aktuell schon Geschwindigkeiten bis 2500Mbit/s zu, statt 200Mbit/s über VDSL Vectoring. Die Stadt will die Glasfasern nach der Verlegung in Eigenregie dann verpachten und weiß noch nicht so recht, ob und welche Bedingungen sie stellt. Hier bleibt zu hoffen, dass der Pächter die bestmögliche und nicht die billigste Technologie anwendet. Alles andere würde wohl dafür sorgen, dass ich weiter und nachhaltig über den Netzausbau in Chemnitz jammern kann und unser Land im internationalen Vergleich weiter deutlich abgehängt bleibt. Und es heißt auch, dass ihr diese primitiven, leicht abzuhörenden und sehr störungsanfälligen Kupferdrähtchen für euer Internet benötigt. Zumindest dass Chemnitz kein neues Google hervor bringt, sollte langsam klar sein 😉

Warum ich Twitter (noch) nicht verlasse.

Bei sozialen Netzwerken war ich immer ein Pragmatiker und Datenschützer. Mein Verhalten Ihnen gegenüber änderte sich allerdings schlagartig mit meiner Wahl zum Stadtrat hier in diesem lauschigen Städtchen.

Ich hatte vor 2014 einen knallharten Facebook-Boykott und vorher war Twitter auch noch nicht die große Datenkrake und erwiesener Erfüllungsgehilfe der US-Geheimdienste. Mit dieser Wahl war ich aber eine Person der Öffentlichkeit und in begrenztem Maße auch der Zeitgeschichte. Ich musste nicht nur für meine Wähler erreichbar sein, sondern man durfte ab diesem Moment auch immer von mir Fotos machen und sollte meines Erachtens auch sehen wie ich öffentlich agiere. Dazu kam plötzlich auch der ein oder andere Journalist in meinen engeren Kreis, vor allem auf Twitter.

Und das ist im Grunde auch, was mich wohl noch auf Twitter halten wird. Nicht die freundlichen Menschen mit denen ich täglich zu tun habe, denn den Großteil würde ich auch in einem politisch korrekten sozialen Netzwerk wie GNU Social über kurz oder lang wiederfinden, sondern die Etablierung des Netzwerkes über das engere soziale Gefüge hinaus. Ein Kommentar darin kann einen Tag später schon in der Zeitung XY stehen. Es laufen Feeds im Fernsehen und jede Medienanstalt pflegt und hegt die Plattform. Man bekommt Fragen und interagiert mit Nachrichtenmedien. Das ist für die Politik und mich als Politiker unschätzbar wertvoll. Und nur dafür halte ich Twitter in Deutschland auch überhaupt noch in größerem Stile für nützlich. Nutzerzahlen und Reichweite waren hier noch nie besonders groß, aber man hatte zumindest die Journalisten auf seiner Seite.

Daraus folgt für mich allerdings auch, dass ich es für unfassbar dumm hielte, wenn plötzlich der Großteil meiner Partei überwechseln würde und Twitter boykottiert. Denn was jede Partei braucht ist Wirkung in die Gesellschaft, Feedback aus der Gesellschaft, Vehikel für ihre Meinung und in unserem Falle auch die offensiv transparente Politik, kurz: Reichweite. Das schafft man nur, indem man die Leute (vor allem aber die Multiplikatoren) dort abholt wo sie sind. Damit man uns folgt hätten wir diese Bewegung vielleicht vor 5-6 Jahren anstoßen sollen.

Das hört auch nicht nur bei den Partei-Frontsäuen(Den Leuten in der Presse) auf, denn die loyalen (Partei-)Kolleginnen und Kollegen, die dann die Klicks für die verlinkten Artikel generieren sind sogar noch wichtiger. Wenn ein Artikel 1000 mal retweetet(geteilt) und nur 500 mal angeklickt wurde, liegt immerhin ein offensichtliches Missverhältnis vor. Retweets helfen dem Journalisten noch nicht, seinen Arbeitsplatz zu sichern und Einnahmen für seine Plattform zu generieren. Genau dieses Phänomen haben wir aber momentan. Es gibt zu viele sogenannte Likearmys, die den Wert der sozialen Netzwerke als Meinungstransporter an sich in Frage stellen.

Aber ich komme vom Hundertsten ins Tausendste, deshalb will ich mich kurz fassen:

Ich bin abhängig!!!

Und ich will auch nicht nur meckern, sondern auch bilden und Optionen geben. Der großartige Patrick Breyer hat hier genau aufgeschlüsselt, wo bei Twitter das Problem liegt und wie es sich aktuell verschärft hat. Und hier könnt ihr mich zukünftig über GNU Social und Mastodon erreichen, wenn ihr den Schritt doch wagt oder lieber dort Kontakt halten wollt: ToRo auf Mastodon

Bundestag beschließt Gesetz zur Einhaltung von versprochener Leistung beim Internetanschluss

In der Nacht zum heutigen Freitag hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, welches neben Mindeststandards zur Netzneutralität auch die Provider in die Pflicht nimmt.

Konkret sind ab jetzt alle Kunden im Recht, bei deren Provider

[…]erhebliche, kontinuierliche oder regelmäßig wiederkehrende Abweichungen zwischen der nach Satz 2 gemessenen Dienstqualität und den nach Artikel 4 Absatz 1 Unterabsatz 1 Buchstabe d der Verordnung (EU) 2015/2120 im Vertrag enthaltenen Angaben festgestellt wurden[…]

Ihm werden Bußgelder auferlegt, wenn dies passiert oder er gegen die Netzneutralität verstößt. Feststellen muss dies allerdings die Bundesnetzagentur.

Wir hätten uns noch etwas mehr Zugeständnisse für die Nutzer und ein freies Internet vorgestellt, aber es ist ein erster Schritt.

Jetzt seid ihr am Zug!

Sollte das Internet mal wieder lahmen oder die Verbindung ganz abbrechen, schreibt doch eine Beschwerde an die Bundesnetzagentur, damit sie vor Ort Messungen vornehmen. Man kann dort Screenshots anhängen und am besten man sammelt mehrere Vorfälle.
Sollte euer Anschlussanbieter demnächst mit einer Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf euch zu kommen, würde ich mich über eine kurze Info von euch freuen. Dieses Gesetz sollte nämlich nicht dazu führen, dass die Verträge zu eurem Nachteil geändert werden und der Anbieter z.B. bei eurem 100Mbit/s-Anschluss nur noch 1 Mbit/s garantiert.

Kontaktiert mich über die bekannten Wege oder kommt Montags zwischen 16 und 17 Uhr in meine Bürgersprechstunde ins Rathaus, Zimmer 113. Dann schauen wir uns das mal an.

 

Zur heutigen Bundestagsdebatte

SPDler auf Facebook und Twitter regen sich über die heutige Rede von Sahra Wagenknecht auf, weil sie ein desaströses Bild vom Land zeichnet. Ich kann mir da nur mit der flachen Hand auf die Stirn schlagen.

Wir haben eine große politische Herausforderung bis zur Bundestagswahl, nämlich den Menschen wieder begreiflich zu machen, dass unsere Demokratie für SIE arbeitet, wenn sie denn auch den Richtigen ihre Stimme leihen.
Populisten haben es geschafft den Ängsten, die eigentlich davon herrühren dass sich die Gesellschaft wandelt, schneller wird, eine digitale Spaltung entsteht und die ländlichen Regionen inzwischen gut greifbar aussterben, eine andere Richtung zu geben.
Sicher ist diese Spaltung und Abstiegsgefahr noch nicht so drastisch, wie es etwa in den USA der Fall ist, aber sie existiert und wächst. Die Populisten von Rechts haben das in Kritik am demokratischen System, an der repräsentativen Demokratie oder der aktuell „herrschenden Klasse“ gewandelt, obwohl sie keinen Deut besser sind. Und oben drauf kam dann noch als einfacheres Feindbild der arme Flüchtling, der in ihren Augen dieses System noch weiter destabilisiert.

Die Linke schiebt im Gegensatz dazu dann ihren Markenkern vor: den ausgebeuteten und armen Arbeiter gegen die Konzerne und Kritik an Infrastruktur, die der Staat besser verwalten sollte. Das sollte nun weder einen SPDler, noch sonst einen Bundestagsabgeordneten überraschen.
Klar, es gibt auch die Gewinner, Diejenigen, die auch ein „weiter so!“ akzeptieren und gut leben. Es gibt aber eben auch Diejenigen, die sich in ihrer Lebensführung sehr bedroht fühlen und deshalb nach Hoffnung und Lösungen suchen. Die SPD sollte in meinen Augen nicht den Fehler machen, diese Wählergruppe zu ignorieren und auch diese Perspektive suchen. Niemand braucht die SPD als weitere, käufliche Besserverdienendenpartei.

Die CDU hingegen will die Digitalisierung als das große Zukunftsthema erkannt haben. Nur leider hat die Partei von #Neuland Mutti Merkel nicht die Kompetenz, diese auch fair und zum Wohle aller Bevölkerungsschichten zu gestalten. Dieser Herausforderung nimmt sich meine Partei allerdings an. Auf in den Wahlkampf!

Man rückt mit Panzern in meinen Lebensraum ein

… und ich kann nichts dagegen tun. Heute war mal wieder ein spannender Tag für das Internet. DynDNS war Ziel einer DDOS-Attacke, die den Domainauflösungsdienst großflächig zum Absturz brachte. Im Grunde ist das keine große Sache. Dienste die intern ihre Server ohne Domain anwählen waren gar nicht betroffen und die Dienste hinter Domains waren nicht etwa zerstört oder beeinträchtigt. Metaphorisch gesprochen hat einfach nur eine findige Gruppe von Hackern oder auch Bots die Straßenschilder auf der Datenautobahn versteckt, sodass alle ohne Ortskenntnis völlig die Orientierung verloren. Das betrifft dann vor allem die großen Portale, weil die auch die meisten User ins Internet locken.

Betroffen hat mich das nicht wirklich. Den Ausfall auf Twitter bekam ich gar nicht mit, außer das ich mich am Nachmittag mal neu einloggen musste und Netflix verwendet intern keine Domains. Also war alles in Ordnung für meinen Alltag. Die Hacker nutzen die betroffenen Dienste vermutlich auch nicht wirklich, daher kommen sie sich sicherlich wie Wölfe vor, die einer Herde Schafe mal vorführt, wer hier eigentlich das tägliche Leben gestaltet. Aber eine Auswirkung hat so ein Angriff dann doch auch auf mich: Ich befürchte, das Vertrauen und der Lebensraum Internet werden wohl oder übel langfristig Schaden nehmen.

Der Höhepunkt des Mediums, dass ein Ort des gleichberechtigten Austausches von Informationen und Meinungen sein sollte, ist inzwischen nicht mehr nur von planlosen Regierungen (z.B. im Rahmen des BND-Gesetzes) und raffgierigen Konzernen bedroht sondern auch von Bots und KIs in einem Ausmaß, die mir die Zuversicht rauben. Das zerstört einen Teil des Idealismus in mir, der mich unter anderem 2009 in meine Partei eintreten ließ. Das Internet als neuer Hort und Zukunft der Demokratie schwebte in meinem Geist. Nun erreichen wir den Höhepunkt der feindlichen Invasion. Die AfD hat angekündigt, im Wahlkampf mit Panzern gegen diesen Ort vorzugehen. Indem man Botnetze betreibt oder bezahlt und damit die Meinung im Internet beeinflussen und lenken will. Und das ist inzwischen auch keine Dystopie mehr. Zuletzt hatten sie da aber eher konventionelle Mittel zur Verfügung. Bezahlte Menschen und unbezahlte Trottel, die auf den Plattformen der großen Zeitungen, auf Facebook und Twitter die Hashtags mit ihren Ansichten bombardieren. Die anderen Parteien haben von diesen Methoden und auch Bots eher Abstand genommen, obwohl sie in den letzten Bundestagswahlkämpfen auch fleißig Follower gekauft und sich damit mehr Gewicht verschafft haben.

Künstliche Intelligenzen sind inzwischen soweit, dass man mit ihnen natürlich wirkende Gespräche im Rahmen von Textkommunikation führen kann. Es gibt keine Regeln und Gesetze gegen den Einsatz solcher KIs und sie stehen inzwischen vielfach zum Verkauf. Sind dann vielleicht Video-Gruppenchats die Lösung? Ich würde sagen nein. Erstens bringen sie dann wieder Äußerlichkeiten in den Diskurs ein und zweitens ist dies auch wieder nur eine Frage der Zeit, bis da Avatare statt der echten Webcam laufen würden. Was machen wir nun also und welche politischen Maßnahmen kann man da ergreifen? Müssen wir das Internet aufgeben?

Innerhalb des Internets gibt es wegen all dieser Bewegungen schon lange eine Tendenz zu Schutzräumen und anderen Bereichen, die man nicht so einfach infiltrieren kann. Diese Tendenz wird steigen. Soziale Netze werden sich noch mehr auf Grüppchen und Menschenhäufchen stürzen und das Gefühl des weltumspannenden Netzes immer mehr mit Komfortzonen voll gebaut. Für den öffentlichen Diskurs heißt das weitere Zersplitterung und ein Erstarken von Meinungszentren. Journalismus wird wieder deutlich an Wert gewinnen und große soziale Netzwerke müssen ihre Entwertung fürchten. Das macht es perspektivisch für Politiker sicher nicht einfacher, den echten Willen der Menschen zu erfassen.

Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Bis das aber ein Niveau erreicht hat, dass die Demokratie keinen Schaden von der Entwicklung mehr nimmt, haben wir allerdings noch viel vor uns. Viele Momente in denen wir nur mit Unverständnis über geteilte Schlagzeilen reagieren können und in denen wir uns hoffentlich die Mühe machen, Schund mit Tatsachen zu widerlegen. Und eins weiß ich: 2017 wird uns da auf eine harte Probe stellen.

Internet in Chemnitz – Happy End?

Tia, da wären wir wieder. Wir reden wieder darüber, wie sehr meine Stadt vom Internet abgeschnitten ist und bleibt. Das ist aber kein willkürlich gewählter Zeitpunkt.

Zum Ende dieses Jahres hört die ‚eins energie‘ damit auf, die Glasfaser in Chemnitz zu verlegen und lehnt sich entspannt zurück. Ihr Werk, 60.000 Haushalte damit auszustatten, ist dann verrichtet. In Chemnitz gibt es aber mehr als doppelt so viele bewohnte Haushalte.

Aber werfen wir mal einen Blick auf die Karte der ‚eins energie‘. eins-energie-karteIn Röhrsdorf, Borna, Furth, Hilbersdorf, Ebersdorf, Rottluff, Rabenstein, Schönau, Siegmar, Reichenbrand, Grüna, Mittelbach, Stelzendorf, Teilen von Morgenleite, Altchemnitz, Reichenhain, Erfenschlag, Adelsberg, Kleinolbersdorf-Altenhain, Glösa und Euba wurde keine Faser verlegt. Man könnte sagen etwas weniger als ein Drittel des geografischen Stadtgebietes wurde mit der zukunftsfähigen Faser bedacht. Natürlich gucken deswegen noch nicht alle anderen in die Röhre, aber Röhre ist dabei wieder ein gutes Stichwort. Alternativ bieten sich in einigen der Stadtteile zumindest die Kabelnetzbetreiber an. Leider machen diese trotz großspuriger Ansagen zum Ende von 2015 aber noch keine viel bessere Figur als vorher. In einigen Stadtteilen hat es sich gebessert, in anderen fällt das Netz noch immer sehr häufig aus oder bricht von der Geschwindigkeit auf ein Niveau ein, welches z.B. Streamen über Netflix unmöglich macht.

Aber da gab es doch noch diese Ziele der Bundesregierung!

Ja, was ist eigentlich damit? Die Landesregierung wirbt mit beschönigten Grafiken, in denen auch für die Grundversorgung wenig geeignete UMTS und LTE-Anschlüsse und öffentliche WLAN-Anschlüsse, wie z.B. die Freifunk-Knoten, mit inbegriffen sind. Diese liefern aber im Schnitt natürlich nicht annährend die angepeilten 50 Megabit und sind auch nicht dafür da, die Grundversorgung mit Internet zu übernehmen. Wenn da also nicht bald noch etwas passiert, werden diese Ziele weit verfehlt, selbst in unserem schnuckeligen und wirtschaftlich durchaus interessanten Ballungsraum. Chemnitz ist nach aktueller Statistik etwa zu 72% mit Internet um die 50 Megabit versorgt. Das Zahlen aber nicht Alles sind, hab ich ja oben bereits angedeutet.

Aber wir haben doch noch die Telekom! Die haben bestimmt einen Plan.

telekom-karteKlar haben sie einen Plan. Der Plan nennt sich VDSL-Vectoring. Nachdem es ja nun ein wackeliges ‚Go‘ von der EU und der Bundesnetzagentur gab, hat die Telekom ein paar neue Ausbaugebiete für Chemnitz angekündigt. Diese sind auf der Grafik blau markiert und hier noch einmal genauer zu betrachten. Das dunkle Lila ist übrigens die Glasfaser. Sieht nicht ganz so schick aus wie bei der ‚eins energie‘, oder?

Diese blauen Bereiche bedeuten, dass die dort bestehende DSL-Infrastruktur, die bisher eher so 2 bis 16 Megabit liefert, mit ein paar neuen Verteilerkästen oder Umbauten in den Kästen auf bis zu 100 Megabit aufgebohrt wird. Dummerweise handelt es sich dabei auf den letzten 100 Metern aber um die im Schnitt 0,6mm dünne Kupfer-Doppelader, aus der sich perspektivisch nicht mehr viel heraus pressen lässt. Für schnelle Zielerreichung ist das nett, mit zukunftstauglicher Technologie hat das aber nicht viel zu tun. Billig und schnell war hier die Devise. Da fühlen sich dann einige Leute spätestens 2025 wieder abgehängt. Dazu teilen sich dort viele Kunden ein Kabel und sind nur virtuell von den anderen Anschlüssen entkoppelt.

Die Kooperation mit der ‚eins energie‘ für den Glasfaserausbau wird man wohl auch nicht verlängern wollen, da diese den Glasfaseranschluss perspektivisch nun selbst vermarkten wollen. In Bad Elster kann man das sogar schon bestellen. Die Upload-Geschwindigkeiten sind dort allerdings eher dürftig.

Was bleibt noch zu sagen? Es bleibt spannend. Und wer billig Infrastruktur baut, baut zwei Mal.

Der Häuptling der SPD hatte wieder eine zündende Idee …

Gibt es denn nur Vollpfosten in der etablierten Netzpolitik?!
Ok, das ist ein fieses Eingangsstatement, aber die neue Idee des Bundes-Siggis ist mal wieder herrlich wirtschaftshörig, wettbewerbsverzerrend und asozial zugleich. Er fordert aus dem Strategischen Investitionsfond der EU mal Alles was da ist und möchte gern den deutschen Brocken davon in die Telekom stecken. Ein Unternehmen auf dem freien Markt, welches nicht annähernd genug Regulierung erfährt, für die Exklusivrechte und noch immer Monopolposition[1], die es vielerorts inne hat. Dieses freundliche Unternehmen, welches von sich aus nicht im Traum darauf käme, irgendwo Glasfasern zu verlegen und schön die Hand auf hält, wenn einer doch mal eine zeitgemäße Anbindung wünscht.

Die aktuellen Entwicklungspläne der Telekom für das deutsche Telekommunikationsnetz sind im Vergleich ein schlechter Scherz. Aktuell setzt man auf Vectoring, was dem vermaledeiten Klingeldraht schnell noch 50mbit extra heraus quetscht, damit man die Pläne der Bundesregierung einhält, bis 2018 überall 50mbit zu bieten. Da hat scheinbar selbst unser Wirtschaftsminister gemerkt, dass man so das Problem des Ausbaus nur hinaus zögert und Geld verschwendet.
Statt aber mal zu schauen, wie das andere Ländern hin bekommen, möchte man lieber die EU fragen, ob man nicht an den fetten Topf ran darf um die nicht wettbewerbsfähige Lösung für den Netzausbau noch zu subventionieren.

Copyright © Europäische Investitionsbank 2016

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Wäre ich in der Position der EU, würde ich sagen: „Gern Siggi, aber vorher verstaatlicht ihr bitte noch den Netzausbau und zerschlagt dieses merkwürdige Telekom-Konstrukt.“
Dann ist er vermutlich ganz klein mit Hut und sagt nix mehr. Was auch nicht schlimm wäre, denn dann kann aus dem Topf in ganz Europa weiter kräftig in verschiedenste Baustellen investiert werden, die hier sehr gut verbildlicht sind.

Alles andere wäre massiv unfair gegenüber den vielen Ländern in der EU, welche es hinbekommen, eine anbieterneutrale Glasfaser zu verlegen. Die hätten von dem Geldregen nämlich gar nix und müssten stattdessen auf andere Investitionsprojekte verzichten.

Dann noch dieses „Man-to-the-Moon“. So visionslos ist die Politik also schon. Der Wettlauf zum Mond war eine historische Begebenheit, welche die gesamte Menschheit hat zum Himmel aufschauen lassen statt auf die Schlaglöcher vor der Haustür. Welches Forschung und Entwicklung in beinahe allen technologischen Bereichen in einem kurzen Zeitraum enorm beflügelt hat und schließlich die Menschheit einen Sprung nach vorn machen ließ. Es begeistert noch immer junge Menschen für Ingenieurswesen und Wissenschaft und förderte zugleich ein Weltbild einer geeinten Menschheit und richtungweisender internationaler Zusammenarbeit, auch wenn das vielleicht eingangs nicht die Intention der USA war.

Der Netzausbau ist emotional, für das Gros der Gesellschaft, hingegen eine überfällige Straßensanierung. Für das Vorankommen enorm wichtig, aber für sich allein stehend eher unspektakuläre Kanalbauarbeiten. Inzwischen will man nicht mehr groß in die Raumfahrt investieren, was sehr schade ist. Stattdessen ist es scheinbar im Kopfe von Wirtschaftsministern schon ein Mondflug, etwas wettbewerbsfähiger zu werden. Bitte, zerschlagt endlich den Riesen im Magentagewand, nehmt Geld in die Hand oder lebt mit der Konsequenz der rückständigen Vernetzung. Aber wälzt das Problem bitte nicht auf die Staatengemeinschaft ab. Die kann nix dafür. Und viele schlagen sich da auch deutlich besser als das reiche und mächtige Deutschland.

Ich engagiere mich weiter in der Konsultation zum Digital Single Market der EU und auch im Rahmen des Eurocities Knowledge Society Forums, um auf diese merkwürdige Regierungs- und Marktpraxis mit der Telekom aufmerksam zu machen. Was Herr Gabriel hier abzieht konterkariert nicht zuletzt laufende Bürgerbeteiligungsprozesse.

Schäm dich!

 

[1]Der Telekom gehören noch immer Schlüsselpunkte: wie Hauptverteiler, der Backbone des Telefonnetzes und sie hat jetzt erst wieder exklusive Ausbaurechte für Vectoring aus der Bundesnetzagentur gequetscht, wenn man Zusagen für Gebiete macht. Ebenso hat sie es durch bekommen, dass die von ihr verlegte Glasfaser exklusiv genutzt werden kann. Das ist ein gewaltiges technisches Monopol. Daher wünsche ich mir schon lange die Trennung von Netz und Konzern und Verstaatlichung des Ersteren. Das würde auch alle anderen Player auf diesem Markt betreffen, aber die zielgerichtete staatliche Investition in diese inzwischen zur Daseinsfürsorge gehörenden Infrastruktur sicher stellen. Nicht zuletzt sollten wir auch nicht unbegrenzt den Boden aufbaggern.