Dank an einen scheidenden Vorsitzenden.

Dank an einen scheidenden Vorsitzenden.

Da viel Scheiße darüber im Twitter kursiert, wer wie die Piraten an die Wand gefahren hat und dafür unter die Guillotine muss, hab ich mich gemüßigt gefühlt, mal eine Lanze für unseren scheidenden Vorsitzenden zu brechen.

Zuerst: Es ist dem Wähler schnurzpiepegal was in unserem Programm steht. Es ist dem Wähler auch schnurzpiepegal, wie geil wir in den Parlamenten gearbeitet haben. Was dem Wähler ins Auge sticht ist, wie wir das in eine Werbeaktion umwandeln, wie die Medienrezeption von uns ist und ob wir uns auch als die Stimme der Veränderung darstellen können, die wir sein wollen. Das macht eine Partei wählbar.

Weder sind Weltraumaufzüge schuld, noch Zeitreiseanträge oder Sandalen. Das sind Momentaufnahmen, die bei einigen gut und bei anderen schlecht ankommen und immer zu der Zeit kamen, als die Presse halt auch einfach ne gute Auflage hatte, wenn sie das heraus kramte. Wir haben nämlich immer dann Sensationswert, wenn wir polarisieren, also wenn man geteilter Meinung über uns sein kann und sich das zum Gespräch am Wasserspender entwickeln kann.

Bundesparteitag 2016.2 in Wolfenbüttel

Was wäre also die beste Möglichkeit gewesen, in unserer sich im Abwärtstrend befindlichen Partei, mal wieder Oberwasser zu spüren?

Meines Erachtens war das: Jemanden zu engagieren, der unsere Medienrezeption radikal umzukrempeln vermag und uns so aufstellt, dass die Piraten noch immer professionell und gut aussehen. Jemanden zu wählen, der einen Ruf als zerstrittener, biestiger und nachtretender Haufen nicht noch befördert und vielleicht auch wieder ein bisschen hip ist. So Jemanden wollte ich zum 1V dieser Partei wählen.

Was waren die Erfolge für die Partei aus dieser Amtszeit?

  • Pressekonferenzen zu denen mal wieder Presse erschien (auch wenn es natürlich wieder sogar innerparteilich polarisiert hat)
  • Ein ausgezeichneter Bundespressesprecher <3 Pascal
  • Bundesweite Aktionen (auch wenn die natürlich wieder durchwachsen ankamen)
  • Eine sehr gute (lila) Kampagne, die jener von 2013 in der Güte in nichts nachsteht, obwohl mit deutlich geringeren Ressourcen gearbeitet wurde
    • Heranziehen von Talenten für diese Kampagne
  • Eine funktionierende Vernetzung (wenn man sich ihr nicht versperrt hat) zwischen den Listenkandidaten, der Wahlkampforga, Kampagnenplanung und Pressearbeit
  • Eine Einigung auf 3 Spitzenkandidaten, die nicht dem gestiegenen Altersschnitt der Partei entsprechend zu bieder oder miefig wirkten
  • Gespräche auf Augenhöhe(!) mit anderen Parteien in unserem Spektrum, die wir im Endeffekt auch alle „überflügelten“
  • Gesprächsaufnahmen mit Multiplikatoren, die uns längst verloren schienen und uns reihenweise attestierten, dass wir noch gemocht werden
  • Ein ständiges Unterrichten der Kandidaten mit Erfolgsmeldungen und eine Zukunftsperspektive, um Motivation hoch zu halten

Bei all diesen Sachen hat Pakki einen enormen persönlichen Anteil geleistet und stand dazu auch noch allen, die daran mitwirken wollten, ständig Rede und Antwort. Von Anfang an verlautbarte Pakki sinngemäß auf Marinas, Kandidatentreffen und anderen Gelegenheiten: „Wenn wir nicht bereit sind, einen krasseren Schnitt in der Außendarstellung zu machen, werde ich eben das Bestmögliche mit dem Gegebenen anfangen. Aber dann muss nach der Wahl dieser krasse Schnitt folgen, wenn die Piraten wieder erfolgreich werden wollen. Jetzt ist das Ziel die Parteienfinanzierung.“

Meines Erachtens hat er das Bestmögliche aus dem Vorhandenen heraus geholt. Wir sind in 5 Bundesländern nicht angetreten. Wir waren bundesweit betrachtet nicht wirklich kampagnenfähig. Während an einigen Orten gekämpft wurde, lösten sich an anderen Orten die Verbände auf. Während ein Pakki durch die Republik tourte, und er war wirklich überall, stritt der Vorstand untereinander und kritisierte seine Alleingänge. Aber drang dies nach Außen? Meiner Meinung nach kam es nur zu kleinstmöglichen Eruptionen von Unmut und Auflösungserscheinigungen. Vieles wartete bis nach der Wahl. Das ist für mich auch ein enormer Fortschritt dieser Amtszeit.

Sicher arbeitet es sich mit Magengeschwüren immer schlecht, das beziehe ich auf Teile der Basis und des Restvorstandes. Diese waren aber viel eher dem Druck hinter der Arbeit geschuldet und den Tempo, das wegen versemmelter Deadlines irgendwann an den Tag gelegt werden musste. Außerdem war von vornherein klar, dass ein Pakki nicht die Bundes-IT retten, den P-Shop updaten oder unser Beteiligungstool endlich einführen würde. Pakki hat aus meiner Perspektive in einem halben Jahr aber Sachen angestoßen, die schon seit 2013 hätten laufen müssen und auf mehr Schultern hätten verteilt werden können. Er hat sein Können und Wissen überzeugt und zielgerichtet eingebracht und hatte eine erkennbare Agenda. Er war in meinen Augen ein mehr als tauglicher Vorsitzender.

Wir waren im Bundestagswahlkampf nicht die Partei der Wahl. Ruinierter Ruf, keine glaubwürdige Ergänzung oder Abwahl der letzten Regierung durch eine Stimme für uns und die mieseste Ausgangssituation für kleine Parteien, seit ich Wahlkämpfe verfolge. Der Kampf AfD gegen die im Parlament wurde aufgebauscht wie noch nie. Es überwogen die „Wählt bloß nicht die Nazis“ statt „Geht wählen!“-Kampagnen. Nur die FDP konnte sich von Außerhalb mit einem gigantischen Mitteleinsatz und noch aktiverem Mediengesicht dagegen behaupten. Auch Online siegte in diesem Jahr Geld über allgemeine Aktivität. Da wo wir aktiv waren, hüpften wir auch über die 0,5%. Da wo wir nicht sichtbar waren, ging der Stimmenanteil eben eher gegen 0,2%.

Ausblick oder „Was würde Pakki tun?“

Wie lautete der Plan ab diesem Punkt? Erst einmal musste man den ruinierten Ruf abstreifen, indem man sich vom Wiedererkennungswert (bis hin zu Logos, Farben, Namen) verabschiedet. Dann braucht man externe(!) Hilfe, um einen neuen Ruf aufzubauen. Dazu hat Pakki in seiner Amtszeit auch schon ein paar international anerkannte Berater angeschleppt und wie eine vernachlässigte Hauskatze umschmeichelt. Vielleicht ginge es wieder mehr in Richtung einer Bewegung, ähnlich jener, die Bernie Sanders im US-Präsidentschaftswahlkampf ausgelöst hatte.

Wenn dieser Plan dann steht, muss die Reform folgen, begleitet von Instrumenten, die Reibungsverluste minimieren und Konsens herbei führen. Doch ganz ohne Verlust wäre dies natürlich nicht zu machen.

Ich hänge noch sehr am Namen „Piraten“, doch ich bin bereit all diese Dinge aufzunehmen und an dieser Verwandlung mitzuarbeiten. Einerseits weil mir das Projekt persönlich wichtig ist, andererseits weil mir viele Menschen in diesem Projekt wichtig sind. Auf wen ich verzichten kann sind allerdings Jene, die unseren Untergang auf ein falsches oder zu linkes Programm oder aktuelle Einzelpersonen schieben. Die haben meines Erachtens den Schuss nicht gehört und stecken in einer Filterblase, die den Blick aufs große Ganze völlig verlieren ließ.

Die Parteienfinanzierungsgrenze ist zur Europawahl nur greifbar, wenn wir solche harten Veränderungen durchhalten und ab dem kommenden Wochenende anpacken. Das Wichtige ist unsere Politik und unsere Zukunftsvision, nicht Orange oder ein möglichst großes Logo auf dem Plakat. Nur wenn wir als Partei in der Lage sind, so etwas zu schaffen, können wir wieder zu Höherem streben.

Vielen Dank für deine Zeit Pakki, der Nicht-Wiederantritt ehrt dich erneut, aus meinem Blickwinkel hättest du aber ruhig bleiben können. Es gibt noch viel zu tun.

Über den Autor

Toni Rotter administrator

29, Pirat seit 2009, Stadtrat seit 2014, IT-Fuzzi.

14 Kommentare bisher

Froschs Blog: » Im Netz aufgefischt #339Eingestellt am12:28 pm - Okt 22, 2017

[…] Toni Rotter: Dank an einen scheidenden Vorsitzenden. (via […]

BerndEingestellt am10:29 pm - Okt 18, 2017

Ee einzelne Person kann es ohnehin nicht alleine. es geht um teamwork. Da tun sich Piraten immer extrem schwer. Pakki hätte bei den größtblödsinnigen Aktionen wie Staatstrojaner, goldenem Scheißhaufen oder anderem Müll einfach auch mal ein Veto aussprechen müssen, solche Stümpereien kosten, neben Antifa, übertriebenem Linksdrall und AfD-Bashing die größten Stimmanteile, da die Piraten niemand mehr ernstnimmt (einerseits) und für unwählbar hält (andererseits).
1% wäre in Line, 2% wäre alle Stammwähler erreicht, alles deutlich unter 1% zeigt dass negativer Impact überwog.

Das mit Bundespräsidentschaftskandidaten Sonneborn und der PARTEI war der letzte medial sichtbare Auftritt der Piraten, aber es hat der PARTEI genützt, nicht den Piraten, die sich zu Vehikel gemacht haben. Aktion lustig, aber das Ergebnis konnten andere ernten.
Nur ein glaubwürdiger Kandidat der Piraten (wer, wenn nicht Marina W.) hätte den Wind in Richtung unserer Partei drehen können.
Dies nur als ein Beispiel von vielen wo strategisch und auch taktisch falsch operiert wurde.
Auch diese BTW-„Neuland“.-Kampagne, die war doch, für jeder der mit verständigen Blick da drauf guckt in 2 Minuten klar, das wird niemals was werden. Einen abgeschmackten Merkel-Spruch der längst „durch“ war, aufzuwärmen für eine Piratenkampagne die an Weltfremdheit kaum zu toppen war, dazu keine erkennbare social-media-Kampagne, nahezu keine Wahlplakate (ich sah in Natura in einer Millionenstadt nach langer Suche insgesamt 3), ein traurig nichtsagender Allerwelts-TV-Spot, man könnte endlos weiter aufzählen.

Zur Europawahl muss dringend frischer Schwung rein.

Hier ein paar Vorschläge (ihr greift sie eh nicht auf, aber man muss wenigsten vorschlagen, sonst macht man sich selbst Vorwürfe dass man es einfach hat weiter gegen die Wand prallen lassen):

* Europa muss wieder demokratisch werden als friedliches Gemeinschaftsprojekt souveräner demokratischer Staaten, die ihre Souveränität nicht in Brüssel abgeben
* keine Transferunion, keine Verarmung ganzer EU-Teilregionen
* nach dem BREXIT: Lernen aus dem BREXIT. Neuverhandlung der europäischen Verträge, mit Volksabstimmung derselben vor Verabschiedung, mehr innereuropäische direkte Demokratie
* mehr demokratische Rechte für das EP, z.B. das Initativrecht, weniger Eurokratie und Gängelung der Mitgliedstaaten und Unionsbürger durch bürokratischen overhead
* kein europäisches Zensurregime im internet nach deutschem (Maasschem) Vorbild!
* Freie Kommunikation im Netz ohne Bespitzelung und Gängelung europaweit
* freier Personenverkehr in Europa (dazu gehört aber auch die Sicherung der europäischen Außengrenzen, ohne Totalabschottung, also mit Augenmaß)
* gegen jeden Extremismus in Europa, egal ob von links, von rechts oder religiös begründet

Mit diesem Katalog, gut programmatisch unterfüttert, ohne Scheuklappen, ohne Denkverbote, sind bis zu 3% drin.

„Weiter so“ oder gar noch weiteres Aufdrehen der Schleusen Richtung grenzenloses, buntes, multikulti-vielfältiges schrankenloses Großeuropa von Syrien bis Marokko mit Sozial-, Fiskal- und Transferunion (Modell Macron) oder gar europäische Armee, europäische Polizei usw., führt zu unter 0,5%

    Toni RotterEingestellt am10:28 am - Okt 19, 2017

    Dass man die Neuland-Sache nur auf das Merkel-Zitat bezieht war natürlich nicht beabsichtigt. Das sollte auch aus der Richtung einer nautischen Metapher funktionieren. Hat es in meiner Filterblase auch sehr gut. Davon mal abgesehen war dieser Slogan von allen Landesverbänden so bestätigt worden. Da muss sich wohl die ganze Partei an die Nase fassen 😉
    Auf die Sache mit den Wahlplakaten bin ich auch eingegangen. Es mangelte an Kampagnenfähigkeit oder genauer gesagt an Personen, die anpackten.
    Bei den Europa-Programm-Anregungen sehe ich jetzt fast nix, was ich nicht in unserem Programm erwarten würde, abgesehen vom Links-Rechts-selbe-Brühe-Stichpunkt und den Nazi-Jargon im letzten Absatz, den ich für ganz schlimmen Bullshit halte. Da zücke ich wieder mein Zitat: „Auf wen ich verzichten kann sind allerdings Jene, die unseren Untergang auf ein falsches oder zu linkes Programm oder aktuelle Einzelpersonen schieben. Die haben meines Erachtens den Schuss nicht gehört und stecken in einer Filterblase, die den Blick aufs große Ganze völlig verlieren ließ.“ – Damit bist du wohl auch raus.

NetterPCEingestellt am6:39 pm - Okt 18, 2017

Sehr schön was da steht – am Ende des Tages zählt jedoch das Ergebnis!
Es wird immer die einen und die anderen geben – Leute die das was pakki gemacht gut finden und die die es als Katastrophe einschätzen.
Meine Wahrnehmung von pakki war:
– Wegen Alleingängen und Überschätzung der eigenen Person und Position kein funktionierender Bundes-Vorstand.
– Kampagnen wurden verzögert und Designs zurückgehalten mit der Begründung das alles über den PShop bestellt werden solle – das hat dann ja auch super funktioniert ( Ironie aus )
– Kampagne lila? War das nicht die LTW in NRW? Die das zuerst angewendet und sich ausgedacht hatten
– Der Versuch eine Kleinstparteien Wählergemeinschaft ins Leben zu rufen – gescheitert
– Bundespräsidentenwahl mit verehrender Außendarstellung für die PP – oder freundlich ausgedrückt, keine Presse für die PP sondern für „Die Partei“
– Presse-Team zerlegt im Wahljahr um eine neues zu installieren – sehr weitsichtig und gut gemacht
– Pressesprecher installiert ohne auf Budgets und nicht vorhandene Ressourcen ( Geld ) Rücksicht zu nehmen
– Mumble-Sitzungen mit pakki waren bis auf die letzten 2 Monate one-Man Shows – ich mache das und ich mach jenes – also von wegen auf andere zugegangen oder ähnliches
– usw. usw.
Ich mache jetzt hier mal Schluss da mir Dialoge nicht gefallen. Pakki hat einen persönlichen guten Einsatz gebracht, zumindest sein Zeitliches Aufkommen war beispiellos, Teamfähig denke ich ist pakki nicht, kann man jetzt gut finden oder nicht und ich sage es auch nur weil oben so tolle Sachen über pakki stehen die ich als LV-Vorstand in Bayern nicht wahrgenommen habe.

Danke pakki für diesen Einsatz und ein besonderes Danke das Du das Rückgrat besitz daraus die Konsequenzen zu ziehen und nicht mehr zum 1.V im Bund zu kandidieren. Das hätte ich Dir nach meiner Einschätzung jetzt nicht zugetraut.

Ach ja, pakki Du bist nicht am Ausgang des Wahlergebnisses für diese BTW17 schuld – das sind wir alle. Einmal die die nicht eingeschritten sind und Dich an die Leine genommen haben z.B. der Bundesvorstand und zum anderen solche Leute wie ich die Dir leider eine Zusicherung gegeben haben während des Bundestagswahlkampfes nicht gegen Dich vorzugehen und Dir in vielen Dingen zu wiedersprechen.

    Toni RotterEingestellt am10:21 am - Okt 19, 2017

    Ich fand es wirklich schade, dass bis aufs Verwaltungstreffen in Chemnitz und die Marinas bei den ganzen Strategiebesprechungen kein Vertreter aus Bayern da war. Auch auf Mailinglisten und Mattermost war da recht wenig zu sehen. Ich hab mich auf dem ganzen Weg sehr informiert und eingebunden gefühlt. Aber so können die Eindrücke sich eben unterscheiden.

Mike ReinschEingestellt am6:21 pm - Okt 18, 2017

In der Situation in der Pakki die Partei übernommen hat, war klar, dass es kurzfristig nur noch um die Parteienfinanzierung bei der BTW gehen kann. Die Fehler die zum Absturz bis dahin geführt haben, kann man ihm sicher nicht anlasten. Es gibt Bücher dazu und tausende Meinungen. Gefühlt hat jedes Parteimitglied und Exmitglied 2 eigene.
Wer jedoch den Job übernimmt, muss das verantworten was in der Zeit ab der Übernahme schief lief. Da wären zu nennen: Fehlende Unterschriften in 5 Bundesländern. Wie will eine Winzpartei 0,5% erreichen, wenn nicht in allen Bundesländern angetreten wird…..ein man muss es so nennen „verpennter“ Wahlkampfauftakt ohne Material……Material was eher Fragen aufwarf als Wähler anzusprechen……und ein offensichtlich linksradikales politisches Profil was in der Parteienlandschaft keinen Platz hat. Jedenfalls keinen über 0,37% hinaus.
Nun werden die Verteidiger kommen und sagen: Das war nicht seine Aufgabe. Basispiratiges Mandat!!!!. Doch genau das war sie als Vorstandsvorsitzender. Irgendeiner muss den Hut aufhaben und zwischenhauen, wenns schief läuft. Spätestens 2 Wochen vor Fristablauf zur Einreichung der Unterschriften hätten alle Ländervorstände zum Stand abgefragt werden müssen…..und wo Unterschriften fehlten, hätte eingegriffen werden müssen. Wahlkampfmaterial hat zum Auftakt in ausreichender Menge vorhanden zu sein….. und das Material muss brutal einfach verständlich sein.

Meine persönliche Lehre aus mehreren Jahren Piraten: Basisdemokratie, piratiges Mandat ohne Verantwortliche, kann angesichts der Wählererwartungen nicht funktionieren, ist nicht geeignet ein klares Profil herauszuarbeiten, ist schlussendlich zu langsam um auf das Tagesgeschehen zu reagieren, verursacht Fehler über Fehler weil sich Einzelne, Unfähige oder Verwirrte, herausnehmen für alle zu sprechen und zu agieren, weil sie meinen es wäre so am besten.

Ein Mensch der sich in der prekären Lage zutraut den Vorstandsvorsitzenden zu geben, muss wissen was originär die Aufgabe eines Vorstandsvorsitzenden ist….und dann umsetzen.

    Toni RotterEingestellt am10:17 am - Okt 19, 2017

    Die Unterschriften zusammen zu bekommen war Aufgabe der Landesverbände. Bis kurz davor hätte man Profis engagieren können und es gab auch Austausch zur Unterstützung. Wenn aber nicht einmal Hilferufe kommen, kann auch ein Vorsitzender nix tun.
    Zum Rest der Nachricht zitiere ich mich noch einmal selbst: „Auf wen ich verzichten kann sind allerdings Jene, die unseren Untergang auf ein falsches oder zu linkes Programm oder aktuelle Einzelpersonen schieben. Die haben meines Erachtens den Schuss nicht gehört und stecken in einer Filterblase, die den Blick aufs große Ganze völlig verlieren ließ.“ – Damit bist du wohl raus. Danke fürs Mitspielen.

@HuWutzeEingestellt am3:01 pm - Okt 18, 2017

Ich glaube so ein „Dankes-Blogpost“ ist bisher auch einmalig.

Ich bin ja nun bekanntermaßen einer von Pakkis größten Kritikern, die sich zumindest auch öffentlich dazu bekennen und äußern. Ich finds gut das du dazu etwas geschrieben hast, wirklich.

Man kann über Pakki sagen was man will, er tut Dinge wovor andere Angst haben. Nur leider tut er vieles davon nicht mit letzter Konsequenz. Hört man Vorstandssprechstunden ist von ihm immer wieder zu hören: „Ich tue, ich mache, ich habe angestossen“. Wenn dann aber etwas schief lief dann wird „wir haben da etwas falsch gemacht“ gesprochen. Dann sind es plötzlich alle. Rhetorisch Klasse, ob nun gewollt oder nicht. Aber es bleibt ein „Geschmäckle“ übrig.

Ich habe auch geschimpft über den „Golden Shit“ oder diese merkwürdige „Kooperationssache“. Die hätten nicht sein müssen. Aber wie heißt es so schön? „Nur wer nicht arbeitet macht keine Fehler“.

Ein Pluspunkt sicher, er hat einen Pressesprecher an Land gezogen der zumindest nach außen hin sein Handwerk verstand. Was ich aber bis heute vermisse, er hat in meinen Augen immer noch kein Verständnis davon, wie Piraten wirklich ticken. Aber angesichts der miserablen Lage am Markt für einen guten Pressesprecher aus der Partei heraus, was das sicher das Optimum. Pascal wird das sicher in irgend einem Buch später mal genauer schildern. ,o)

Die „Lila Kampagne“ war in ihrer Summe nicht schlecht, ohne Zweifel. Das Branding dieser Partei aber so kurzfristig umzuwerfen, das kann nicht gut gehen. Wenn man so etwas tut, dann weit im voraus und vor allem mit einer gewissen Nachhaltigkeit. Beides ist nicht geschehen. Insbesondere das mit der Nachhaltigkeit könnte man Pakki vorwerfen, das weit im voraus ist Sekors Verdienst hier nicht tätig geworden zu sein.

Und dann kommt der Absatz, das Pakki viele Dinge angestoßen hat, die schon hätten seit 2013 gemacht werden müssen.

Es schließt sich ein riesiger Seufzer meinerseits an.

Ich unterschreibe das ganz klar und gänzlich ohne Vorbehalt. Ich zitiere aus einem kürzlich mit Pakki geführten Telefonat mich selbst: „Du solltest für den 1V nochmals kandidieren, ich würde dich diesmal sogar wählen.“

Der ein oder andere wird sich angesichts dieser Aussage vermutlich verwundert die Augen reiben, es ist mein absoluter Ernst. Eben weil Dinge angestoßen worden sind. Der angestoßene verknüpft das aber mit dem anstoßenden. Geht diese Person, ist der sprichwörtliche Fuß in der Tür (andere sagen Kontakt) weg. Das ist eines unser Probleme, jedes Jahr neue Vorstände wählen zu wollen. Denn „Nachhaltig“ sieht anders aus. Ich selbst erkenne Pakkis Engagement im Wahlkampf hoch an. Er hat nicht für sich gekämpft, sein Vorgänger war da anders. Wenn Pakki etwas ruhiger würde und damit weniger Alleingänge produzierte, könnte es sogar was werden. Etwas weniger „ich, ich, ich“ wäre sicher auch nicht schlecht. ;o)

Und sein Nachfolger, ich vermute Carsten dürfte die größten Chancen haben, wird nicht diesen „emotional, gesellschaftlichen Weitblick“ haben und Pakkis neu geschaffene Kontakte daher eher nicht nutzen, vielleicht nicht nutzen können. Auch wenn Carsten ein ruhiger und vor allem redegewandter 1V wäre. Ich denke, Pakkis Spuren, die er hinterlässt, werden größer sein als die meisten vermuten, als sogar ich vermutete.

Und entgegen aller Aussagen (die ich mir schon anhören durfte) – ich mutiere damit nicht zum vorbehaltlosen „Pakki-Versteher“ – ich erkenne lediglich seine Arbeit an. Und noch etwas, ihr kennt den Spruch sicher: „Nur wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein“.

    Toni RotterEingestellt am3:44 pm - Okt 18, 2017

    Danke für deine Sicht der Dinge. Leider denke ich, dass wir es uns nicht leisten können, großartig ein oder zwei Gänge runter zu schalten. Ich suche in Regensburg Vorstände, welche diese Fäden in der Hand halten und sich in den ersten 100 Tagen nicht nur mit Selbstfindung und Aufarbeitung beschäftigen wollen. Nach diesen 100 Tagen muss der Plan stehen, wo die Reise hingeht. Wie wir Zusammenarbeit mit den anderen Parteien intensivieren, ob wir ein umfangreiches Makeover zulassen, wie wir unser Europaprogramm entwickeln wollen usw.
    Mich drängt das Ganze auch nochmal besonders. Denn in Sachsen sind 2019 neben der Europawahl auch Kommunal(mit Europawahl)- und Landtagswahlen(Herbst).

      @HuWutzeEingestellt am4:21 pm - Okt 18, 2017

      Es gibt immer irgendwo Wahlen. Die EU Wahl sollte der erste und alleinige Gradmesser sein um erkennen zu können, wo wir stehen. Danach geht es an das weiter justieren. Die nächste Wahl, der wir uns stellen sollten, wäre entweder die Bundestagswahl oder die Kommunalwahlen. Alles andere ist sich „Ohrfeigen nach Ansage“ abzuholen. Das ist weder konstruktiv noch nachhaltig noch motivierend. Und alles (sorry des Wortes wegen) geplärre „Aber wir müssen doch“ ist nichts weiter als „ich, ich, ich“, weil ich will das ja so und wir könnten, müssten usw. usf.

      Man kann natürlich mit Unsummen diesen Masochismus fördern, nachhaltig ist am Ende nur der Frust über eine weitere verlorene Chance, die nur leider niemals eine Chance gewesen ist sondern lediglich ein Trugbild von: „aber ich hätte es schaffen können“, gewesen ist.

        Toni RotterEingestellt am5:24 pm - Okt 18, 2017

        Wenn wir uns jetzt ausruhen sollten oder nicht bis zur EU-Wahl hohe Ziele setzen, dann haben wir nach 2019 so gut wie keine Mandate mehr. Dann hat sich diese Partei meines Erachtens als parlamentarische Kraft überlebt und muss massiv z.B. Strukturen und Server abbauen. Damit kann man auch arbeiten, aber das sollte man dann eben auch offen als Option handeln. Für mich wäre es jedenfalls keine mehr*. Es wurden jetzt einige Grundsteine gelegt und 100 Tage sind für eine Strategieerstellung meines Erachtens auch nicht zu wenig. Da kann man 3 monatliche Lime-Surveys oder mehr und viele Beratungstermine machen.

        Ich will aber nicht nur fordern. Ich werde parallel an einer Kommunalwahlkampagne im Kreis feilen, welche genau diese Wege geht, die ich hier beschreibe. Ob das durchführbar ist, zeigt sich im gleichen Zeitraum, denn die nötige Vorlaufzeit ist die Gleiche. Die Frage ist für mich u.a., ob ein neues Grundrauschen der Partei diese Entwicklung unterstützt und wir auch die Chance auf Wiedereinzug ins EP haben.

        Wir sind jetzt am absoluten Tiefpunkt, unter den allerersten Wahlergebnissen der Piratenpartei in Deutschland. Als Experiment wären wir jetzt faktisch gescheitert. Jetzt geht es darum ob und wie wir weiter machen wollen. Nachhaltige Arbeit ist da für mich das falsche Thema.

Manuela LangerEingestellt am11:06 am - Okt 18, 2017

Pakki hat sich zu viel aufgeladen und konnte dann gar nicht alles schaffen. Ja, habe ich ihm auch persönlich gesagt (und war auch persönlich betroffen). Der Tag hat halt nur 24 Stunden, auch für Pakki, und wenn man sich soviel Arbeit zumutet, daß 36 Stunden nicht reichen, dann müssen einfach Dinge hinten runter fallen. Sein Arbeitspensum war so enorm, daß mich ehrlich gesagt wundert, daß nicht noch mehr nicht erledigt wurde.

Wir müssen uns neu aufstellen, wir müssen einiges ändern und durchstarten. Vor allem aber müssen die Abgesänge aus den eigenen Reihen aufhören. Ich bekomme allmählich Lust, jedem, der ein undifferenziertes „wir haben es halt verkackt“ absondert, Maulschellen zu verpassen. Das ist nicht konstruktiv, damit löst man keine Probleme und verbessert nichts. Im Gegenteil: Es stiehlt denen, die wirklich an uns arbeiten wollen, Zeit und Motivation.

Den Namen würde ich nicht ändern, weil wir international Piraten heißen. Aber wir müssen Fehler offen zugeben und mit Dingen, die uns fälschlich angekreidet werden, aggressiver umgehen. Wir müssen mit unseren Erfolgen hausieren gehen und offen und aggressiv die Frage stellen, wo wir – als Bürger – heute ohne Piraten in diversen Parlamenten wären. Als Beispiele wären erfolgreiche Klagen von GEMA bis Vorratsdatenspeicherung zu nennen. Wo wir nicht in den Medien sind, müssen wir auf die Straße.

    Toni RotterEingestellt am3:53 pm - Okt 18, 2017

    Meiner Meinung nach helfen uns solche Klagen bei einer Bundestagswahl relativ wenig, außer man würde uns grundsätzlich zutrauen, das Justizministerium zu übernehmen. Davon sind wir eben sehr weit entfernt. Also muss trotzdem die Schlagkraft und das Wording vorher stimmen. Dass man aber gute Sachen heraus stellen muss, da würde dir wohl keiner widersprechen.
    Ich würde den Namen nicht unbedingt vom Tisch nehmen. Um eine Assoziation zu den internationalen Piraten herzustellen könnte man ja weiter fleißig deren Inhalte teilen oder das Signet wie ein Trademark-Symbol neben einem neuen Namen verwenden. Ähnlich wie bei meinem Website-Logo oben. Ist für mich alles eine Frage der Ausgestaltung. Irgendeine Referenz zu den europäischen Piraten sollte aber bestehen bleiben, da bin ich auch ganz bei dir.

      Fl3diEingestellt am4:41 pm - Okt 18, 2017

      Großen Respekt für das, was Pakki mit den vorhandenen Möglichkeiten bewegen konnte. Viele wurden durch ihn wieder aktiv und haben sich nach Kräften für die Sache der Partei eingesetzt. Und er hat eine neue Kommunikationsweise etabliert. Wertschätzend und höflich. Das haben wir dringend in dieser Partei gebraucht.
      Dickes Danke!

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