Pirat in Chemnitz
CC-BY 3.0 Bigg(g)er CC-BY 3.0 Bigg(g)er

Chemnitz 2030 – Eine Utopie oder ein normaler Shopping-Ausflug?

Es ist Samstag Mittag. Ich benötige eine neue Stehlampe, am besten mit Ladefunktion für meine Kleinstgeräte. Die Onlinesuche zeigt mir 3 passende Leuchten an, eine davon ist in meiner IKEA-Boutique verfügbar.
Auf meiner Smartwatch tippe ich auf den Knopf, der aussieht wie eine Autosilhouette. Es kommt eine Meldung zurück: „Ein Fahrzeug kann in 10 Minuten an ihrer Zuhause-Parkposition stehen. Welches Ziel haben Sie?“
Ich sage ich will ins Stadtzentrum. Ein freundliches grünes Häkchen erscheint und ein Timer von 9 Minuten und 40 Sekunden startet.
Ich mache mich in Ruhe fertig und gehe nach unten. Das Fahrzeug steht da. Ich halte den Arm mit der Smartwatch kurz an die Tür des Fahrzeuges. Sie öffnet sich.
Ich steige ein und bemerke die Gesellschaft. Es gibt keine eindeutige Fahrerposition mehr und neben mir sitzt eine Person mit dem gleichen Ziel. Der Sitzabstand ist großzügig und respektiert die Privatsphäre. Das Fahrgefühl ist deutlich angenehmer als in Bussen und auch nicht so privat wie im eigenen Fahrzeug. Ich nutze diesen Service seit 2 Jahren. Ich bin Abonnent dieses monatlich kündbaren Carsharing-Service und habe mich wegen der einfachen Bedienung der App und der günstigen Flatrate von nur 30€ dafür entschieden. Als innerstädtischer Nutzer sind meine Fahrtwege nicht übermäßig lang, deshalb ist das Angebot hier deutlich günstiger als im Erzgebirge mit 50€.
Der Straßenraum hat sich im letzten Jahr stark verändert. Es gibt nirgendwo mehr Poller, riesige Verkehrsschilder oder Ampelanlagen mehr. Die intelligente Vernetzung der Fahrzeuge und Bodenampeln für die Fußgänger haben die Verschandelung der Umwelt mit Vekehrsleitfunktion vollkommen abgelöst. Trotzdem gibt es quasi keine Verkehrsunfälle mehr. Auch Falschparken findet nicht mehr statt. Dafür mussten allerdings alle Fahrzeuge vor 2 Jahren mindestens mit Heads-Up-Displays und autonomen Bremsen nachgerüstet werden, wie es etwa zur Jahrtausendwende mit der dritten Rückleuchte der Fall war. 1000€ kostete das die Halter von Fahrzeugen, die ihr Vehikel vor 2019 erworben haben. Viele waren davon nicht betroffen, das Privatauto ist kein beliebtes Modell mehr gewesen.
Die Straßen wurden schon in den 2020ern Schrittweise verengt und mehr begrünt. Es gab schnell mehr Aufenthaltsräume und sogar neue Baugrundstücke in der Innenstadt. Historisch gewachsene Straßenzüge sind kaum mehr aus zu machen. Das Fahrzeug hält am Stoppoint der ehemaligen Zentralhaltestelle und meine Zufallsbegleitung und Ich steigen aus. Wir kannten uns schon von mehreren gemeinsamen Fahrten und verabschieden uns freundlich. Ich hab Sie mit 4 von 5 Punkten in der Sharing-App bewertet. Mit 5 Punkten würde meine Fahrt für eine tolle Begleitung leicht verzögert werden, mit weniger als 3 Punkten ebenfalls, um eine andere Begleitung oder ein freies Fahrzeug zu finden. Mit Menschen mit nur einem Punkt muss ich gar nicht das Fahrzeug teilen. Auf dieser Liste steht momentan nur mein Zahnarzt.
Ich spaziere entspannt in Richtung der Boutique. Die Uhr fragt mich, wann ich gedenke zurück zu fahren. Ich sage ihr, dass es etwa eine Stunde dauern kann.
Das Fahrzeug fährt unterdessen in eine Tiefgarage außerhalb des Stadtringes, wo es per Induktion geladen wird und weiteren Personen zur Verfügung steht. Tankstellen und selbst Ladestationen gibt es keine mehr im öffentlichen Straßenraum. Es gibt auch nur rund 500 autonome Fahrzeuge, die das Stadtzentrum anfahren. Bei Großveranstaltungen können damit potentiell 2500 Menschen autonom und gleichzeitig in die Stadt gefahren werden. Parkhäuser wurden schon vor 5 Jahren Schritt für Schritt zurück gebaut. Dieses Jahr geht ebenso das Kohlekraftwerk in Chemnitz außer Betrieb. Was für ein Segen für das Gewissen und bei der Nutzung der vielen Technik.

In der Innenstadt gibt es so gut wie keine Läden mehr. Alle Geschäfte haben eine Event- und Ausflugs-Charakteristik, sonst können sie sich an diesem Standort nicht halten. IKEA waren unter den Ersten, die dieses Konzept adaptierten. Ich bin nun 42 Jahre alt und werde doch langsam zum Gewohnheitstier, deshalb spricht mich deren Angebot noch immer an. An der Tür treffe ich Piru und noch ein paar andere Freunde, die meinen IKEA-Ausflug über soziale Vernetzung mitbekommen haben. Verspätung ist in den letzten Jahren immer unwahrscheinlicher geworden. Wir gehen gelassen durch die Boutique auf ca. 500 Quadratmetern, das Restaurant nimmt die gleiche Fläche ein. Ich sehe die gesuchte Lampe und halte meine Uhr an den Sensor daneben. Daraufhin kann ich sie virtuell in meinem Wohnzimmer platzieren und bekomme einen noch besseren Eindruck. Nach meiner Bestätigung spricht meine Uhr wieder zu mir: „Die Ware ist im Versandzentrum Neefepark verfügbar und kann per Drone innerhalb von 30 Minuten geliefert werden.“
Ich drücke die Meldung weg und vereinbare einen Liefertermin im Vorabend, wenn ich Zuhause bin. Bezahlt ist die Ware damit bereits.
Nach dem Einkauf geht es ins Restaurant. Die Gespräche arten ein wenig aus und so kommt es, dass ich die Schlummertaste meiner Auto-App dreimal drücken muss, welches die Abfahrt jedes Mal um 10 Minuten verschiebt. Das Sozialisieren ist der wichtigste Grund für den Besuch der Innenstadt.

Als ich wieder am Stoppoint stehe kommt ein anderes Fahrzeug meines Services angefahren und sammelt mich ein. Bei mir Zuhause ging vor 10 Minuten ein Hinweis an, dass ich in ca. 20 Minuten Zuhause bin, da ich die Abfahrt dieses Mal nicht verzögert habe. Das hat schon so manches Mal die Essensplanung erleichtert. Später mache ich mit Freundin und Kindern noch einen Ausflug mit dem geteilten Fahrzeug. Die Family-Option für verschiedene Autodienste ist in der 5-Zimmer-Wohnung bereits im Mietpreis enthalten. Wir machen einen Spaziergang durch das Augustusburg von 1820, dank Augmented Reality. Am Vorabend trifft pünktlich die Drone vor meinem Fenster ein. Im Umfeld der Lampe laden alle meine Geräte wieder voll, ich benötige eine Woche keine Ladung mehr.

Ich hoffe diese Geschichte hat den Lesern gefallen. Die Tankstelle im Bild an der Ecke Annen-/Brauhausstraße ist inzwischen das kleinste Hotel der Stadt. Gestaltet die Zukunft mit und macht euch Gedanken wie beispielsweise ein sinnvoller Datenschutz in dieser Welt gewährleistet werden kann. :)

CC-BY-ND 3.0 AriaSnow CC-BY-ND 3.0 AriaSnow

Pokémon GO

Die Taschenmonster erfreuen sich gerade wieder großer Beliebtheit. Kein Wunder, das Spielprinzip ist in etwa jenes, auf dass Spieler in Europa (inklusive mir) seit 16 Jahren warten. Nostalgie lässt sich im Spielesektor auch super melken, dass wissen Nintendo, Gamefreak und Niantic, die Entwickler des Spiels, natürlich auch. Solche GPS-gestützten Augmented Reality Spiele haben aber auch einige Schattenseiten. Einerseits lassen sie sich nicht ohne umfassende Positionsdaten vom Spieler auf Servern umsetzen, andererseits sind Daten- und Stromverbrauch gewaltig hoch. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf um seine geliebten Pikachus und Shiggys einsammeln und kämpfen lassen zu dürfen?

Es gibt noch eine größere Angelegenheit: GPS-gestütztes Spielen und willkürlich gesetzte Spots auf Karten, locken auch kriminelle Energie und sorgen derzeit dafür, dass viele Spieler ihre Schlafenszeit deutlich überziehen. Die Spieler laufen auf der virtuellen Karte oftmals ohne viel Aufmerksamkeit für ihre Umwelt herum. Das sorgt für Probleme: In den USA wurden schon eine Menge Raubüberfälle im Rahmen des Spiels gemeldet und eine Person stolperte schon über eine Leiche. Man kann andere Spieler gezielt anlocken und hat als Räuber zumindest den Durchschnittslohn von einem Smartphone im Wert von ca. 200€. Auch Verkehrsunfälle provoziert so ein Spiel, sodass man sich nicht ungern auch Bodenampeln wünscht. Ein befreundeter Spieler ist neben mir letztens an einen Poller gelaufen. Sah witzig aus, sollte aber ein Warnsignal sein. Was bedeutet so ein gefährliches Spiel für die Spieler und ist Niantic sich dessen bewusst?

Die Datenschutzerklärung hat es in sich! Niantic hat bei Ingress und Pokémon GO, quasi in vorauseilendem Gehorsam, folgende Regelungen eingebaut:

Wir arbeiten mit der Regierung, mit Strafverfolgungsbehörden oder privaten Beteiligten zusammen, um das Gesetz durchzusetzen und einzuhalten. Wir könnten jegliche Informationen über Sie (oder über das von Ihnen ermächtigte Kind), die sich in unserem Besitz oder Kontrollbereich befinden, an Regierungen oder Strafverfolgungsbehörden oder private Beteiligte offenlegen, wenn wir es nach unserem eigenen Ermessen für notwendig und angemessen erachten: (a) um auf Ansprüche, Gerichtsprozesse (einschließlich Vorladungen) zu reagieren; (b) um unser Eigentum, unsere Rechte und unsere Sicherheit, sowie das Eigentum, die Rechte und die Sicherheit von Dritten oder der allgemeinen Öffentlichkeit zu schützen; und (c) um jegliche Aktivität, die wir als illegal, unethisch oder rechtlich anfechtbar erachten, aufzudecken und zu stoppen.

Das klingt ziemlich böse, ist aber vermutlich die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass solche Spiele verboten werden. Wer Pokémon GO spielt, dem sei ein extra Smartphone und extra Google-Account empfohlen, denn das Spiel nimmt sich auch alle Daten aus eurem Google Konto. Der Strafermittlung steht damit trotz allem nichts im Weg. Und passt zu Hölle nochmal auf euch auf und geht Nachts nicht allein auf Pokémonjagd!

Team Weisheit, huh!

Spendenbg-1440x486

Die Schweiz wählt das bedingungslose Grundeinkommen

Ganz so einfach wie in der Überschrift ist es dann doch nicht. Die Schweizer lehnen, im Gegensatz zum Rest von Europa, das Grundeinkommen am heutigen Tage eher ab. Allerdings ist das Ergebnis trotz allem ein grandioser Achtungserfolg. Auch in Deutschland wären solche Zahlen eine Sensation. Immerhin schwebt eine der Regierungsparteien aktuell im gleichen Prozentbereich. Das macht auch Hoffnung für die Wahlprogramme der Bundestagswahl im kommenden Jahr. 😉

Im Gegensatz zu den Schweizern wären ganze 64% der Europäer von einem Grundeinkommen nicht abgeneigt und dabei nahm das Thema erst vor kurzen wieder politisch Fahrt auf. Ich selbst interessiere mich seit 2010 stark für dieses Thema. Im gleichen Jahr fand auf dem Bundesparteitag in Chemnitz eine richtungsweisende Entscheidung statt. Die Piratenpartei beschloss den RESET, das Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe, als Teil unserer zukünftigen Wahlprogramme. Die große Säule unserer Sozialpolitik.

Ich gebe zu, ich war erst skeptisch. Aber schon auf einem der folgenden Parteitage in Offenbach am Main war ich mit dem Beschluss des bedingungslosen Grundeinkommens für die Idee begeistert. Für mich ist es die einzige Option für die laufende industrielle Revolution. Die BBC hat mit der Seite „Will a robot take your job“ die Sache schön veranschaulicht.

Auch die Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt Chemnitz arbeitet hart an der Vernichtung von Arbeitsplätzen. Nicht zuletzt durch die Forschung am autonomen Fahren durch die TU und z.B. die IAV wird sich demnächst einiges ändern. Ich bin gespannt und freue mich auf eine Zukunft mit weniger Arbeit für Alle. Autonomes Fahren ist aber nur ein Beispiel, auf Welches ich hier mal genauer eingehe.

Diese Woche war die CVAG mal auf Twitter aktiv. Ich habe versucht heraus zu bekommen, wie es um unsere Bus- und Bahnfahrer steht, nachdem der Pressesprecher zur Testfahrt eines autonomen Elektro-Busses im Klinikum sagte:

Die Kollegen werden mit Sicherheit noch viele, viele Jahre gebraucht.

In der diplomatischen Antwort auf meine Frage im Schafspelz kann man schon etwas heraus lesen:

Ich bin heute Abend auf der Wahlparty zum Grundeinkommens-Referendum im Lokomov und hoffentlich in den kommenden Jahren noch auf vielen Partys mit diesem Thema.

CC-BY-SA Michael Thaidigsmann CC-BY-SA Michael Thaidigsmann

Der Häuptling der SPD hatte wieder eine zündende Idee …

Gibt es denn nur Vollpfosten in der etablierten Netzpolitik?!
Ok, das ist ein fieses Eingangsstatement, aber die neue Idee des Bundes-Siggis ist mal wieder herrlich wirtschaftshörig, wettbewerbsverzerrend und asozial zugleich. Er fordert aus dem Strategischen Investitionsfond der EU mal Alles was da ist und möchte gern den deutschen Brocken davon in die Telekom stecken. Ein Unternehmen auf dem freien Markt, welches nicht annähernd genug Regulierung erfährt, für die Exklusivrechte und noch immer Monopolposition[1], die es vielerorts inne hat. Dieses freundliche Unternehmen, welches von sich aus nicht im Traum darauf käme, irgendwo Glasfasern zu verlegen und schön die Hand auf hält, wenn einer doch mal eine zeitgemäße Anbindung wünscht.

Die aktuellen Entwicklungspläne der Telekom für das deutsche Telekommunikationsnetz sind im Vergleich ein schlechter Scherz. Aktuell setzt man auf Vectoring, was dem vermaledeiten Klingeldraht schnell noch 50mbit extra heraus quetscht, damit man die Pläne der Bundesregierung einhält, bis 2018 überall 50mbit zu bieten. Da hat scheinbar selbst unser Wirtschaftsminister gemerkt, dass man so das Problem des Ausbaus nur hinaus zögert und Geld verschwendet.
Statt aber mal zu schauen, wie das andere Ländern hin bekommen, möchte man lieber die EU fragen, ob man nicht an den fetten Topf ran darf um die nicht wettbewerbsfähige Lösung für den Netzausbau noch zu subventionieren.

Copyright © Europäische Investitionsbank 2016Copyright © Europäische Investitionsbank 2016

Wäre ich in der Position der EU, würde ich sagen: „Gern Siggi, aber vorher verstaatlicht ihr bitte noch den Netzausbau und zerschlagt dieses merkwürdige Telekom-Konstrukt.“
Dann ist er vermutlich ganz klein mit Hut und sagt nix mehr. Was auch nicht schlimm wäre, denn dann kann aus dem Topf in ganz Europa weiter kräftig in verschiedenste Baustellen investiert werden, die hier sehr gut verbildlicht sind.

Alles andere wäre massiv unfair gegenüber den vielen Ländern in der EU, welche es hinbekommen, eine anbieterneutrale Glasfaser zu verlegen. Die hätten von dem Geldregen nämlich gar nix und müssten stattdessen auf andere Investitionsprojekte verzichten.

Dann noch dieses „Man-to-the-Moon“. So visionslos ist die Politik also schon. Der Wettlauf zum Mond war eine historische Begebenheit, welche die gesamte Menschheit hat zum Himmel aufschauen lassen statt auf die Schlaglöcher vor der Haustür. Welches Forschung und Entwicklung in beinahe allen technologischen Bereichen in einem kurzen Zeitraum enorm beflügelt hat und schließlich die Menschheit einen Sprung nach vorn machen ließ. Es begeistert noch immer junge Menschen für Ingenieurswesen und Wissenschaft und förderte zugleich ein Weltbild einer geeinten Menschheit und richtungweisender internationaler Zusammenarbeit, auch wenn das vielleicht eingangs nicht die Intention der USA war.

Der Netzausbau ist emotional, für das Gros der Gesellschaft, hingegen eine überfällige Straßensanierung. Für das Vorankommen enorm wichtig, aber für sich allein stehend eher unspektakuläre Kanalbauarbeiten. Inzwischen will man nicht mehr groß in die Raumfahrt investieren, was sehr schade ist. Stattdessen ist es scheinbar im Kopfe von Wirtschaftsministern schon ein Mondflug, etwas wettbewerbsfähiger zu werden. Bitte, zerschlagt endlich den Riesen im Magentagewand, nehmt Geld in die Hand oder lebt mit der Konsequenz der rückständigen Vernetzung. Aber wälzt das Problem bitte nicht auf die Staatengemeinschaft ab. Die kann nix dafür. Und viele schlagen sich da auch deutlich besser als das reiche und mächtige Deutschland.

Ich engagiere mich weiter in der Konsultation zum Digital Single Market der EU und auch im Rahmen des Eurocities Knowledge Society Forums, um auf diese merkwürdige Regierungs- und Marktpraxis mit der Telekom aufmerksam zu machen. Was Herr Gabriel hier abzieht konterkariert nicht zuletzt laufende Bürgerbeteiligungsprozesse.

Schäm dich!

 

[1]Der Telekom gehören noch immer Schlüsselpunkte: wie Hauptverteiler, der Backbone des Telefonnetzes und sie hat jetzt erst wieder exklusive Ausbaurechte für Vectoring aus der Bundesnetzagentur gequetscht, wenn man Zusagen für Gebiete macht. Ebenso hat sie es durch bekommen, dass die von ihr verlegte Glasfaser exklusiv genutzt werden kann. Das ist ein gewaltiges technisches Monopol. Daher wünsche ich mir schon lange die Trennung von Netz und Konzern und Verstaatlichung des Ersteren. Das würde auch alle anderen Player auf diesem Markt betreffen, aber die zielgerichtete staatliche Investition in diese inzwischen zur Daseinsfürsorge gehörenden Infrastruktur sicher stellen. Nicht zuletzt sollten wir auch nicht unbegrenzt den Boden aufbaggern.

(Bild von "Canon in 2D") (Bild von "Canon in 2D")

Ein neues Schauspielhaus, oder: Ganz großes Theater

Man liest viel über die Pläne für einen Theaterneubau. Mir hat das ganze ein Thomas Lehmann von den Grünen vor nem halben Jahr mal über einem Getränk in einer Chemnitzer Bar erzählt. Schon damals dachte ich „was für ne bescheuerte Idee dort was Großes hin zu pflanzen“.

Hinter der Oper soll ein größerer Anbau hin, wo das Schauspielhaus und die Probebühne ein neues Zuhause finden sollen, um auf lange Sicht Kosten zu sparen.
Nun kommt noch die Zahl dazu: 50.000.000,00€. Das darf es laut Sicht der Planer und des Intendanten kosten.

Jetzt verzeiht mir meinen Ton:
SAGT MAL, HACKTS?!
Ihr wollt ein neues Schauspielhaus für 50 Millionen Euro hinter Großplatten und der Oper verstecken?
Wir müssen bei jedem verdammten Investor darum betteln, dass er ja kein Drahtgerüst als Parkhausfassade wählt oder das Äußere seines Funktions-Bürokomplexes bitte nicht zu hässlich und einfarbig wird und nutzen dann die Chance nicht, wenn wir selbst mal so einen fetten Batzen Kohle in die Hand nehmen, mal einen Akzent im Stadtbild zu setzen?!
Und dann auch gleich noch den Brühl etwas besser vom Zentrum abschneiden, ganz großes Kino.
Tut mir leid, das ist die dämlichste Bauidee bisher in meiner Amtszeit.

Stellt euch vor, z.B. neben dem Tietz würde ein prägnanter, mit Rundungen, vielen Feinheiten und stimmungsvoller Beleuchtung versehener Theaterbau stehen, vielleicht noch über einen Glasübergang mit dem Tietz verbunden. Ein Bau der Frei Otto oder die kürzlich leider verstorbene Zaha Hadid stolz machen würde. Das würde dem Kulturkaufhaus auch gleich noch gut tun und wir hätten ein identitätsstiftendes, geiles Denkmal für die vielschichtige Kulturlandschaft, welches noch ständig im Hinterkopf der Touristen und Chemnitzer steht. Ein Bau der für ein Fotomotiv nicht nur für Architekturliebhaber taugt. Ja, das würde man für 50 Millionen bekommen, ein Kunstwerk, was den Stadtumbau voran treibt und durch seine bloße Existenz schon Menschen anlockt.

Dieses real existierende Baufeld ist dabei nur ein Beispiel. Wir haben noch deutlich mehr im Angebot. Und selbst wenn die Damen und Herren im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss doch in der Optik etwas konservativer denken sollten: Ihr könntet mindestens eure Natursteinfassade raus holen, versprochen.

spruce-image

April, April.

Vielen Dank für eure Glückwünsche im Laufe des Tages. Ja, ich hatte Geburtstag und nein, ich bin jetzt nicht bei der Primacom angestellt 😀

Erst einmal möchte ich mich bei Allen entschuldigen, die bis jetzt noch nicht verstanden haben, dass der vorige Beitrag natürlich ein Aprilscherz war. Manche Sachen darin sind Satire, manche technische Einzelheiten, die vielleicht nicht jedem sofort eingeleuchtet sind. Selbst Leute, die sich damit auskennen, hab ich zuerst erfolgreich hinters Licht geführt.

Wer sich für die lange Auflösung nicht interessiert, kann jetzt getrost das Fenster schließen. Wen mein Kurzexkurs in den Internetausbau doch interessiert, dem sei Weiterlesen empfohlen.

Mir ist nur ein Ort in der Welt bekannt, in dem Arten von Konzessionsverträgen für Internetversorung geschlossen wurden. Das sind die sogenannten Fibre Cities in den USA. Dort baut Google Fibre ein enorm fortschrittliches Glasfasernetz aus und bietet damit den Orten, wo es verfügbar ist, sogar gratis Internet mit 6 Mbit/s. Wer mehr braucht, muss in den Städten dann einen höheren Obulus an Google entrichten, bekommt damit dann aber auch gleich synchrone Leitungen im Gigabit-Bereich. Ähnliches gibt es sonst auch in europäischen Staaten wie Estland. Dort existiert nämlich ein Recht auf Internetanschluss. Sehr lobenswert!
In den meisten Ländern setzt man beim Netzausbau im übrigen auf „Dark Fibre“, das Verlegen von anbieterneutraler Glasfaser, bei der die Kunden den Betreiber selbst wählen können. Chemnitz ist beim Glasfaserausbau da fest in der Knechtschaft der Telekom in Kooperation mit der ‚eins‘.

Kommen wir zu den dick gedruckten Passagen „bis zu 16 Mbit/s„. Deutsche Gerichte haben geurteilt, dass diese Angaben korrekt sind, solange ein Anschluss mit wenigstens der Hälfte gewährleistet wird. Allein die Angabe ist also schon eine gewaltige Mogelpackung. Aber mal Hand aufs Herz. Schon heute stößt man mit 16 MBit/s schnell an Grenzen. Zwei Full-HD Videosignale lasten so eine Leitung z.B. schon komplett aus. Einer Kleinfamilie mit 1-2 Kindern oder einer WG mit 3 Personen würde ich bereits jetzt mindestens 32 Mbit/s empfehlen, und da hätten sie mir noch nicht einmal gesagt, was sie eigentlich im Netz so tun.

Das Internet und seine Angebote entwickeln sich ständig weiter. Mit aufkommender Virtual Reality Technik, Ultra HD und weiteren Inhalten wird der Bedarf an Bandbreite in den nächsten Jahren nur noch weiter steigen. Die Technik muss daher deutliche Erhöhungen der Bandbreite weiterhin zulassen. Inzwischen gerät dabei auch der Upload in den Fokus, den aktuell nur Glasfaserleistungen in ähnlicher Geschwindigkeit liefern können.

92% Verfügbarkeit! – ganz tolles Ding. Umgerechnet hieße das für den Kunden, dass er einen Monat im Jahr nicht surfen kann, bzw. von seinen 25 Jahren des billigen Anschlusses, diesen nur 23 benutzen kann, höchstens!

Mit Sowas wirbt zum Glück kein Anbieter mehr. Aber bei der Primacom könnte man in einigen Teilen unserer Stadt schon ab und zu das Gefühl kriegen, solche Werte gingen dort in Ordnung. Ob die Besserung, die sie Ende letzten Jahres versprochen haben, auch eingetreten ist, muss sich erst noch zeigen. Ich hab jedenfalls bisher noch kein Lob gehört.

Das Zitat des Netzbetreiber-Vertreters am Ende ist eine Hommage an die Aussage des Primacom-Sprechers Stefan Susbauer, der die Ausfälle und Minderleistung im Netz so entschuldigte: „Der Internetbedarf ist in Chemnitz landesweit am größten.“

Nun noch ein kleiner Kommentar zu meiner Anstellung: Also ich schätze mich selbst so integer ein, dass ich mich nicht von einem Konzern zu solchem Unsinn bestechen lasse. Ich hab mit Aufnahme des Mandats sogar einen Eid abgelegt, Schaden von Chemnitz und seiner Bevölkerung abzuwenden. Daran werd ich mich auch halten. Daher: Schämt euch! 😀

prima

Neue Konzession für den Netzbetrieb in Chemnitz *Aprilscherz*

Mir ist es gelungen, nach jahrelangem Ringen, einen Konzessionsvertrag für die Internetversorgung von ganz Chemnitz mit einem verlässlichen Partner auszuhandeln.
Nachdem viele Menschen sich über das fehlende WLAN und nicht-vorhandene Netzversorgung beschwerten, ging ich in die Spur.
Nachdem ich die größeren Gebäudewirtschaftsgesellschaften hinter diesen gewagten Plan bringen konnte, war der Weg nicht mehr lang. Konzessionsverträge, welche für bestimmte Bereiche der Daseinsfürsorge exklusive Vertragspartner über lange Zeiträume regeln, werden beispielsweise auch bei der Müllver- und Entsorgung sowie dem Betrieb des Wasser- und Stromnetzes geschlossen.

Auf ganze 25 Jahre bekommt das gesamte Stadtgebiet jetzt eine Grundversorgung mit Internet bis zu 16 Mbit/s von einem Netzbetreiber. Diese kostet den Nutzer nur jeweils 20€ und soll auch die meiste Zeit verfügbar sein. Der Netzbetreiber spricht von bis zu 92% Verfügbarkeit!
Im Vertrag enthalten ist eine Verlängerung der Konzession nach Ablauf der aktuellen Bedingungen mit bis zu 32 Mbit/s bis 2050.

Ich selbst habe im Rahmen dieser Vereinbarung, sowie auf Grund meiner Erfahrung als Medienberater, eine Stelle im Unternehmen angenommen und werde den Wechsel der Haushalte selbst mit koordinieren und überwachen.

Der Betreiber, der zur Zeit noch eine eigene Bekanntmachung vorbereitet und deshalb nicht genannt werden will, machte Hoffnung für eine stabile und zukunftssichere Versorgung.
„Wenn die Chemnitzer ihr Nutzungsverhalten in den nächsten 25 Jahren nicht wieder signifikant ändern sollten.“